Wittenberg (dpa) l Rund 220.000 historische Bücher unter einem Dach: Im Wittenberger Schloss ist die neue Forschungsbibliothek zur Reformationsgeschichte eröffnet worden. Sie sei in dieser Qualität und Größe eine der bedeutendsten ihrer Art in der Welt, sagte der Leiter Matthias Meinhardt am Montag. Von besonderem Wert sei in der neuen Bibliothek der Altbestand von etwa 100.000 Titeln. Dazu gehören nach den Angaben zum Großteil Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus Wittenberg. Dazu zählen Erstdrucke von Martin Luther (1483-1546) sowie Werke mit Notizen weiterer Reformatoren, darunter seines Wegbegleiters Philipp Melanchthon (1497-1560).

Die Sammlungsschwerpunkte der Bibliothek lägen auf der Reformation und Kirchengeschichte, der Theologie sowie der Universitäts- und Bildungsgeschichte. Dazu wurden die Bestände des Evangelischen Predigerseminars und des Lutherhauses Wittenberg zusammengefasst. Die Bücher waren bisher laut Meinhardt an fünf Orten in der Stadt untergebracht. In den neuen Räumen entstand auch ein Lesesaal mit 14 Arbeitsplätzen. Nutzer der Bibliothek seien Wissenschaftler und künftige Pfarrer, die am Predigerseminar ausgebildet werden sowie interessierte Bürger. Zu den Trägern gehöre auch die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

500 Jahre Reformation

Das Wittenberger Schloss war im Vorfeld des Jubiläums „500 Jahre Reformation 2017“ mit Millionenaufwand saniert worden. Anlass war der Thesenanschlag des Theologen Martin Luther. Der Überlieferung nach hatte er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche – sich von Sünden freikaufen zu können – geschlagen.