Literatur im Osten Erinnern Sie sich noch? Diese Kinderbücher lagen in fast jedem DDR-Kinderzimmer
Die Geschichten wurden immer wieder vorgelesen und blieben für immer im Herzen. Sie begleiteten viele Kinder durch ihre DDR-Kindheit und sind bis heute unvergessen. Welche Kinderbücher damals in fast keinem Haushalt fehlten.

Halle (Saale)/Magdeburg/DUR. – Nicht nur heute begleiten Kinderbücher viele Menschen ein Leben lang. Sie werden vorgelesen, immer wieder angeschaut und bleiben oft bis ins Erwachsenenalter im Gedächtnis. Auch in der DDR entstanden im Laufe der Jahre echte Klassiker der Kinderliteratur, die Generationen prägten.
Lesen Sie auch: Zuckertüte, Jugendklubs, Wehrunterricht: Was von der DDR-Kindheit in Erinnerung bleibt
Bücher aus dem Westen waren selten. Umso wichtiger waren die Geschichten aus der DDR selbst. Sie lagen auf dem Nachttisch, standen im Kindergarten oder im Bücherregal zu Hause. Für viele Ossis sind sie bis heute ein Stück Kindheit.
1. Alfons Zitterbacke (1958)
Er war tollpatschig, oft ungeschickt und geriet ständig in Schwierigkeiten. Die Rede ist natürlich von Alfons Zitterbacke. Erfunden wurde die Figur von Gerhard Holtz-Baumert, das erste Buch von mehreren erschien im Jahr 1958.
In Zitterbackes Geschichten ging fast immer etwas schief: Raketenexperimente misslangen, Mutproben endeten peinlich und schulische Aktionen liefen völlig aus dem Ruder. Doch eines war typisch für den Pechvogel: Trotz aller Rückschläge gab er niemals auf.
Außerdem interessant: So schmeckte die DDR! Schulessen, das jeder Ossi noch kennt
Viele Kinder fühlten sich verstanden, weil Alfons kein perfekter Held war, sondern immer wieder Fehler machte. Auch wenn er in den Geschichten oft ausgelacht wurde, blieb er für die Leser sympathisch. Vielen ist der Spottreim "Zitterbacke, Hühnerkacke" noch gut in Erinnerung.

Die Bücher wurden schnell sehr beliebt und machten Alfons Zitterbacke zu einer der bekanntesten Kinderfiguren der DDR, deren Geschichten 1966 auch verfilmt wurden. Nach der Wende entstanden weitere Filme, die den Pechvogel noch bekannter machten. Teile davon wurden auch in Merseburg und Halle gedreht.
2. Bootsmann auf der Scholle (1959)
Das Buch stammt von einem der bekanntesten Kinderbuchautoren der DDR. Benno Pludra veröffentlichte im Jahr 1959 den Titel "Bootsmann auf der Scholle". Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Hundes, der auf einem Fischkutter lebt und dort den Alltag der Erwachsenen miterlebt.
Lesen Sie auch: Die größten Hits des Ostens: Wer kann diese DDR-Lieder noch mitsingen?
Die Geschichte ist ruhig und freundlich gehalten. Sie kommt ohne große Abenteuer aus und zeigt stattdessen das einfache Leben an der Küste. Genau das schätzten viele Eltern. Kinder lernten beim Lesen, aufmerksam zu sein und genau hinzuschauen. Das Buch war so beliebt, dass es drei Jahre später von Werner Krauße verfilmt wurde.
3. Der kleine Angsthase (1963)
Für viele Ossis ist es das erste Kinderbuch, das ihnen einfällt: "Der kleine Angsthase". Das Bilderbuch erschien im Jahr 1963 und wurde von der Illustratorin und Autorin Elizabeth Shaw geschrieben und gezeichnet. Die Geschichte handelt von einem kleinen Hasen, der vor fast allem Angst hat: vor Hunden, vor Gewitter und sogar vor seinem eigenen Schatten.

Viele Kinder erkannten sich in ihm wieder. Angst zu haben war nichts Ungewöhnliches, und genau das machte das Buch so ehrlich. Am Ende wächst der kleine Hase über sich hinaus und wird mutig – nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt.
Lesen Sie auch: Zu gefährlich fürs System? Diese Filme waren in der DDR streng verboten
Die warmen, klaren Zeichnungen von Elizabeth Shaw trugen viel zum Erfolg bei. Das Buch wurde in der DDR millionenfach gelesen und gehört bis heute zu den bekanntesten Kinderbüchern aus dieser Zeit.
4. So ein Struwwelpeter (1970)
Manche Kinderbücher sollten nicht nur unterhalten, sondern auch erziehen. Genau so ein Buch war "So ein Struwwelpeter", das im Jahr 1970 im Kinderbuchverlag Berlin erschien. Die Texte schrieb Hansgeorg Stengel, die Zeichnungen stammen von Karl Schrader. Das Buch wurde schnell sehr bekannt und fand seinen Platz in vielen DDR-Kinderzimmern.

In kurzen Geschichten geht es um Kinder, die Fehler machen oder Regeln nicht beachten. Die Themen stammen aus dem Alltag, zum Beispiel zu viel Fernsehen oder Unachtsamkeit im Straßenverkehr.
Zudem lesenswert: Nur echte Ossis kennen sie: Diese DDR-Serien liefen in jedem Wohnzimmer
Das Buch nimmt dabei Bezug auf den alten "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann aus 1845. Der große Unterschied: Die harten Strafen des Originals galten als zu grausam für Kinder. In der DDR-Version bleiben die Folgen harmlos. Niemand wird verletzt. Statt Angst zu machen, sollen Kinder über ihr Verhalten nachdenken.
5. Schlaf gut, kleiner Stern (1970er-Jahre)
Wurde aus diesem Buch vorgelesen, war klar: Jetzt ist Schlafenszeit. "Schlaf gut, kleiner Stern" erschien in den 1970er-Jahren und gehörte in vielen Familien fest zum Abendritual. Es wurde nicht nur einmal gelesen, sondern Abend für Abend. Oft lag es direkt neben dem Bett und wartete jeden Abend auf seinen Einsatz.
Lesen Sie auch: Sie gehörten einfach dazu: Diese Kult-Produkte prägten jeden DDR-Haushalt
Das Buch ist ein klassisches Gute-Nacht-Buch. Es enthält kurze Geschichten und Gedichte von beliebten DDR-Autoren. Auf Abenteuer und Spannung wird bewusst verzichtet.
Stattdessen geht es um Nähe, Geborgenheit und Ruhe. Sterne, Tiere und freundliche Figuren begleiten die Kinder sanft in den Schlaf. Die Sprache ist einfach, die Bilder weich und beruhigend.
Viele Eltern griffen genau deshalb immer wieder zu diesem Buch. Es machte Kinder nicht wach, sondern half ihnen beim Einschlafen. Bis heute verbinden viele Erwachsene damit Erinnerungen an ruhige Vorleseabende und ihre eigene Kindheit.