Halle (dpa) l Mit rund 15 Veranstaltungen startet das Literaturhaus Halle ab Freitag in sein Eröffnungswochenende. Vorgestellt werden die Formate, in denen sich das Haus künftig bewegen will. "Wir wollen hier weniger die glamouröse Abendveranstaltung zelebrieren", sagt der Leiter des Hauses, Alexander Suckel. "Wir wollen ein Ort der Begegnung und des Austausches auf einem breit angelegten Literaturbegriff sein." Zur Eröffnung wird den Angaben nach der Islamwissenschaftler und Schriftsteller Lorenz Just erwartet.

Bei der Reihe "Ex Oriente Lux" ("Aus dem Osten kommt das Licht" ) sei das Orientalische Institut der Universität Halle als Kooperationspartner mit im Boot, erklärt Suckel. "Wissenschaft am Kamin" heißt eine weitere Reihe in Kooperation mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Am Kamin plaudert zum Auftakt der Paläogenetiker Svante Pääbo, der für seine Forschungen zum Erbgut des Neandertalers berühmt ist. Das Werk "Das weiße Band" von Michael Haneke macht den Anfang bei "Film und Psychoanalyse". Hier arbeitet das Literaturhaus mit dem Programmkino ZaZie und einem Halleschen Psychoanalytiker zusammen. Auf dem Programm des Hauses stehen auch Veranstaltungen speziell für Kinder – und natürlich auch die klassische Buchlesung.

Testlauf des Hauses bis Juni 2018

Bis etwa Juni sieht der Leiter das Literaturhaus im Testlauf. "Bis dahin wollen wir sehen, was bei den Veranstaltungen funktioniert", sagt Suckel, der für die neue Aufgabe seinen Job als musikalischer Leiter des Neuen Theaters aufgegeben hat. Sein dortiges Gesprächsformat "Salon Suckel" nimmt er mit ins Literaturhaus.

Perspektivisch würden wir uns gern dem Netzwerk der Literaturhäuser anschließen", erklärt er. "Die Häuser machen sich gegenseitig keine Konkurrenz und können gut kooperieren."

In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es 14 Literaturhäuser. Neben Einrichtungen in großen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt am Main haben sich Häuser auch in mittleren Städten etabliert. In Leipzig etwa an traditionsreicher Stätte: dem ehemaligen Standort des im Krieg zerstörten Buchhändlerhauses. Genauso arbeitet in Rostock ein Literaturhaus, das sich besonders auch der Förderung von Gegenwartsliteratur verpflichtet sieht.

Übersichtliche Strukturen in Halle

Suckel ist vom Erfolg überzeugt. Halle verbinde die Vorteile einer Großstadt mit übersichtlichen Strukturen. "Es gibt hier viele Kultur und Bildungsstätten, man kennt sich."

Als Kunstforum der Saalesparkasse Halle war die sanierte Gründerzeitvilla unweit der City ein Ort, an dem es regelmäßige Ausstellungen gab. Mit dem angekündigten Rückzug der Sparkasse stand die Zukunft des Kunstforums auf der Kippe. "Es war der bürgerschaftliche Geist, der die Rettung des Hauses möglich machte, sagt Suckel.

Von der Idee bis zur Gründung sei nur ein Jahr vergangen. "Wir haben viele offene Türen gefunden." Das Haus solle auch künftig ein Ausstellungsort bleiben. Geplant seien vier größere Ausstellungen pro Jahr. Unterstützt wird das Literaturhaus unter anderem von der Stadt Halle und der Saalesparkasse.