Magdeburg l „Olaf, Olaf, wenn man so aussieht wie du, muss man einfach Erfolg haben.“ Dabei ist Olaf Schubert gar kein Hüne, sondern eher ein Hühnchen, wie er selbst sagt; einer, der mit seiner Hantel-App Gewichte downloadet.

Sein neues Programm „Sexy forever“ zog am vergangenen Sonntagabend Magdeburger und Fans aus der Umgebung in die Stadthalle, die laut Deutschlands beliebtem Betroffenheitslyriker „eine der modernsten Stadthallen gewesen ist.“ „Einzigartig…“ lobte Schubert das musikalische Intro seiner Mitstreiter Bert Stephan und Jochen Barkas und lässt im selben Moment deren geschwollene Brust wieder einsinken „im Rahmen eurer Möglichkeiten.“

Der sinnliche Olaf

An diesem Abend will der Bundesolaf seine sinnliche Seite zeigen, wirbt schwelgerisch für die künstliche Aufblas-Palme als Bühnenbild und ist bereits mit sich im Wortgefecht, gesteht an anderer Stelle „Man kann selbst nur vermuten, was ich damit meine“. Nichts für Zartbesaitete, geht es doch während seiner Analyse von den großen und kleinen Schwächen der Gesellschaft und ihren Menschen auch mal derb zu. Nach Schuberts Meinung haben alle Probleme die gleiche Wurzel, nämlich den faulenden, parasitären Kapitalismus imperialistischer Prägung.

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In der Komik steckt auch Ernst

Herrlich, wie der Mahner und Erinnerer das Verrückte der Welt ad absurdum führt, maßlos überzieht und bewusst die Grenzen des guten Geschmacks ausreizt. Manche sprachlichen Brocken bleiben einem glatt im Halse stecken, sind sie doch bitterböse. Darin kann sich auch ruhig die eine oder andere Zote verirren. Am Ende ist „der Dumme der Blöde“ und mit der Ostmentalität wird selbst der Schwächste noch durchgeschleppt.

Schubert bezieht Stellung zur Kinderarbeit in Bangladesch, lässt sich über die unterschiedlich ausgeprägte Willkommenskultur in Deutschland aus oder lästert über kollektives Muselmannenfürchten der „Pegidanten“ in seiner Heimatstadt Dresden. Das Publikum pariert jede maßlose Übertreibung und bejubelt seine Art, für Toleranz zu werben.

Perfekt unperfekt

Neben „Detlef ist anders“ singt Olaf Schubert hingebungsvoll vom „Bewussten Konsum“, der Technik und „Erotica“. Hier „hoppelt“ ein Mann namens „Machete“ „extrem ab“, während Olaf für die „Perform, Percussion und per Mund“ verantwortlich zeichnet. Das Publikum begeistert sich für den Sachsen-Soul im Schubert-Englisch, erhält Verhaltenstipps für den Kennlernmarkt und kann nun selbst herausfinden, auf welchem Level des anderen geistige Latte liegt. Till Eulenspiegel 2.0 sinniert über das Bildungsgefälle und den Intelligenzquotienten in Bordsteinhöhe, rätselt wie lange ein Banküberfall mit Rollator dauert und hält beinahe jedem einen Spiegel vor. Dabei zelebriert der Wortakrobat das Unperfekte so perfekt, dass der Zuhörer nicht mehr zwischen Gewollt und Ungewollt unterscheiden kann.

Das Publikum dankt mit Standing Ovations. Das letzte Lied ist an die Zuschauer gerichtet, ein persiflierter Abschiedssong „Wir kommen wieder, wenn die Bude dann noch steht“. Mit der Aufforderung „Zeugt ein Kind und nennt es Olaf“ erklingt die Zugabe. Wie war das doch? „Der erste Eindruck ist der bleibende.“ Der war einfach urkomisch!