800000 Euro Fördermittel Dem Kinosterben soll Paroli geboten werden
Von Klaus-Peter Voigt
Magdeburg (dapd). Sachsen-Anhalt will kleinere Kinos fit für die Zukunft machen. In den kommenden fünf Jahren erhalten kleinere Lichtspielhäuser Fördermittel, um ihre technische Ausstattung deutlich zu verbessern. Damit soll nach Aussagen der Staatskanzlei dem bundesweiten Sterben gerade kleiner Häuser ein Stück weit Paroli geboten werden. Nach dapd-Recherchen gibt es gegenwärtig zwischen Arendsee und Zeitz mehr als 50 Kinos unterschiedlicher Art. Dazu gehören große Multiplexe ebenso wie von Vereinen betriebene Spielstätten oder private Lichtspielhäuser mit mehreren Leinwänden.
Der Verband der Filmkunst- und Programmkinos in Deutschland (AG Kino-Gilde) befürchtet, dass die wirtschaftliche Existenz kleinerer Kinos durch die zunehmende Digitalisierung der Filmtechnik gefährdet ist. "Gerade kleine Spielstätten, die ohnehin auf der Kippe stehen, können sich Großinvestitionen in neue Anlagen meist nicht leisten", sagte Geschäftsführer Felix Bruder.
Anschaffung soll erleichtert werden
Rund 800000 Euro stellt Sachsen-Anhalt für solche Investitionen zur Verfügung, um einem Teil der kleineren Häuser die Anschaffung digitaler Vorführtechnik zu erleichtern. Traditionelle Filmrollen im 35-Millimeter-Format sind nach Einschätzung der Staatskanzlei ein Auslaufmodell.
Bis heute verwendete Technik kann digitale Speichermedien nicht mehr nutzen. Neben neuen Projektoren sind auch andere Leinwände notwendig.
Der Aufwand für eine Umstellung liegt pro Leinwand bei durchschnittlich 70000 Euro. Durch zahlreiche Fördermaßnahmen sollen mittelständische Kinobetreiber entlastet werden.
Voraussetzung sind 8000 Besucher
Neben den Verleihern beteiligen sich an der Modernisierung auch die Deutsche Filmförderanstalt und der Bund. Der Eigenanteil kann so auf etwa 14000 Euro reduziert werden. Nach den Förderrichtlinien ist eine wichtige Voraussetzung für die Gewährung der Zuschüsse eine jährliche Besucherzahl je Leinwand von 8000.
In Halle wollen Wolfgang Burkart und Torsten Raab, die zwei Lichtspieltheater betreiben, diese Fördermöglichkeit nutzen. Das Kino am Zoo und das Puschkino gehören in der Stadt zu den gefragten Adressen bei Filmkunstliebhabern. "Wir bieten nicht nur klassische Vorführungen an. Auch Gespräche und kleine Festivals sind bei uns an der Tagesordnung", sagte Burkart. Hinzu kämen spezielle Reihen wie "Drehort Halle" oder "Cine latino". Auch Dokumentarstreifen hätten einen festen Platz im Spielplan.
Das Konzept zahle sich aus, die beiden 2000 und 2005 eröffneten Häuser mit jeweils einem Saal arbeiteten wirtschaftlich.