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Musiktheater bis Ende Juni in Potsdam-Babelsberg Der "Alte Fritz" als Musical-Held: Traumtänzer und Kriegstreiber

04.06.2012, 03:42

Potsdam (dpa) l "Mit Prunk, mit Pracht, mit Pomp": 300 Jahre nach seiner Geburt ist Friedrich II. nun auch als Musical-Held gefeiert worden. Der von den Machern des Spektakels angekündigte "Entertainment-Faktor" hielt bei der Premiere am Freitagabend, was er verspricht. Das 30-köpfige Ensemble erntete für die Uraufführung von "Friedrich - Mythos und Tragödie" in der ausverkauften Metropolishalle in Potsdam-Babelsberg begeisterten Applaus. Von den 1200 Zuschauern umjubelt wurden vor allem die beiden Friedrich-Darsteller Tobias Bieri ("We Will Rock You") und Chris Murray ("Der Glöckner von Notre Dame").

Den Besuchern wurde ein opulentes Stück Musiktheater geboten. Die Macher hatten bereits im Vorfeld Großes versprochen: Sie wollten im 300. Geburtstagsjahr des Preußenkönigs zwar nicht die Geschichte neu schreiben, wohl aber einen Friedrich zeigen, "wie ihn keiner kennt".

Zu sehen bekommt das Publikum ein Stück preußische Geschichte konzentriert auf unerfüllte Träume, (erfundenes) Liebesleid, Intrigen und Affären. Erzählt wird der Zweiakter aus Sicht des alten Friedrich, einsam und verbittert, der seine Biographie schreiben lässt.

Die Logik des persönlichen Schicksals Friedrichs aufzudecken, gelingt den Machern des Musicals nur in Teilen. Sie suchen die Antwort auf den Wesenswandel des Preußenkönigs in dessen Jugend, einzige Leitlinie bleibt der Konflikt mit dem Vater: Der soldatische Drill Friedrich Wilhelms ist dem jungen idealistischen Kronprinzen zuwider. Er möchte selbstbestimmt leben, Kunst und Kultur über Preußentum und Militarismus stellen. Gemeinsam mit seinem Vertrauten Hans Herrmann von Katte und seiner Schwester Wilhelmine beschließt er, aus Preußen zu fliehen.

Der Gedanke an die Folgen dieses Plans, die Hinrichtung Kattes vor seinen Augen auf Befehl des Vaters, sind dem alten Friedrich unerträglich. Das Leben auf "Sanssouci" gelingt ihm nicht ohne Sorge. Friedrich muss erkennen, dass er ein Ebenbild seines Vaters geworden ist, besessen vom Verlangen nach Ruhm und Anerkennung.

Das Musical wird bis zum 30. Juni fast täglich gezeigt.