Kultursender Arte erinnert mit zwei Produktionen an den Schriftsteller Hermann Hesse Der suchende Mann hinter den Zeilen
Zum 50. Todestag des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse am 9. August zeigt der Kultursender Arte heute den suchenden Mann hinter den Zeilen: Zunächst in einer Verfilmung der Erzählung "Die Heimkehr" (20.15 Uhr), dann in der neuen Dokumentation "Der Weg nach innen" (21.45 Uhr).
Berlin (dpa) l Hermann Hesse (1877-1962) war ein Popstar der US-amerikanischen Hippiebewegung und mit "Siddhartha" und "Der Steppenwolf" einer der meistgelesenen Autoren der Jugend in den 60er und 70er Jahren.
Seine lange Wanderschaft auf der Suche nach Identität und Heimat ist das zentrale Thema der Filme "Die Heimkehr" und "Der Weg nach innen". Das Porträt legt dabei den Fokus auf die Jugend, in der ihn lebenslang prägende Traumata ausgemacht werden. Aufgewachsen in einer "Familie unermüdlich fleißiger Gottesknechte", kam Hesse mit 14 in die Klosterschule Maulbronn im Schwarzwald, aus der ihm die Flucht gelang - nachdem er mit Mord und Selbstmord gedroht hatte. Wenig später versuchte er sich zu erschießen. Von nun an gehörte Hermann Hesse zu den Außenseitern - und blieb es für immer.
Ruhig, mit vielen Stillleben, fängt der Film von Andreas Christoph Schmidt die zahlreichen Lebensstationen Hesses ein. Von dem Heim in Gaienhofen am Bodensee, wo er zumindest für eine Weile ein geordnetes Familienleben führte, über die üppigen Gärten seines Hauses in Bern bis hin zu der Gegend um Lugano, wo er schließlich 1919 einen Ort fand, den er nicht mehr aufgeben wollte. In den Landschaften und Gärten sind die Inspirationsquellen für seine Bücher sichtbar.
Doch kaum hatte er ein Haus gebaut, einen Garten angelegt, wurde der Mann mit den markanten runden Brillengläsern wieder unruhig, als habe er irgendetwas in der Welt liegengelassen. "Ich gäbe meine linke Hand dafür, wenn ich wieder ein armer froher Junggeselle wäre, der nichts hat als zwanzig Bücher, ein paar Reservestiefel und eine Schachtel voll heimlicher Gedichte. So aber bin ich eben ein Familienvater, Hausbesitzer und allzu beliebter Autor."
Die Bücher des Innerlichkeitsautors regten vor allem die Jugend an. "Das hatte etwas mit mir zu tun", erklärt der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg den Leseanreiz. Literaturwissenschaftler Theodore Ziolkowski zieht Parallelen zu den LSD-Predigten von Timothy Leary. "Drogen und Indien und Außenseitertum, das hing alles zusammen." Und bis heute, schließt der Film, entdecke jede Generation, die sich finden und definieren muss, Hesse wieder. "Sein Stück wird noch gespielt."
Direkt vor der Dokumentation zeigt Arte den Spielfilm "Die Heimkehr" (2012) mit August Zirner und Heike Makatsch - die erste deutsche Verfilmung eines Hesse-Stoffs. Auf Basis von Hesses autobiografisch geprägter Novelle erzählt Regisseur Jo Baier ("Stauffenberg") einen oft düsteren und langsamen Film. Die beiden Individualisten darin nähern sich langsam an und gründen zusammen eine neue Existenz. Am Schluss sagt der Liebende: "Heimkommen wollte ich. Mit dir bin ich überall daheim."