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Gast-Solistin Tatjana Vassiljeva spielt beim Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie Die anmutige "Diva des Cellos"

Von Ulrike Löhr 04.03.2013, 01:25

Auf eine musikalische Reise nach Großbritannien entführte die Magdeburgische Philharmonie das Publikum im 6. Sinfoniekonzert der Saison. Als gefeierte Solistin debütierte eine der momentan gefragtesten Cellistinnen der Welt, Tatjana Vassiljeva - von der Musikwelt bereits zur "Neuen Diva des Cellos" ernannt.

Magdeburg l Zunächst erreichte das Orchester unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Kimbo Ishii-Eto die erste klangliche Sogwirkung mit Benjamin Brittens "Passacaglia" - einer der wirkungsvollsten Zwischenmusiken aus der Oper "Peter Grimes". Diese veröffentlichte Britten ob ihrer besonderen Wirkung zusätzlich zu den aus der Oper stammenden "Four Sea Interludes".

Kimbo Ishii-Eto experimentierte diesmal wieder mit der Orchesteraufstellung der Magdeburgischen Philharmonie. Eine interessante Klangbalance erreichte er damit, die Bratschen nach rechts außen zu positionieren und die Celli einzurücken sowie das Blech und Holz komplett zu trennen. Auch die Pauken thronten nicht mittig. Und so tupften die tiefen Streicher das markante Bassmotiv der Titelfigur "Peter Grimes" und ließen es wie aus dem Nichts erscheinen mit fast unmerklich zarten Paukenwirbeln. Wie faszinierend und effektvoll konnte die Solo-Bratsche als Stimme des Lehrjungen artikulieren, zwischen Verletztheit und Naivität, intensivierend, das Unheil anbahnend. Spätestens bei den grellen reibenden Figuren der Violinen und der markerschütternden Celesta ist emotional der Katastrophe kein Entrinnen mehr. Ein konsequent geführter Spannungsbogen.

Mit Spannung fieberte das Publikum dem elegischen Cellokonzert e-Moll von Edward Elgar entgegen, mit dem die junge Jaqueline du Prè 1967 Maßstäbe setzte.

Reife und technisch perfekte Virtuosität

In Magdeburg begeisterte damit die russische Cellistin Tatjana Vassiljeva, die den International Music Award 2012 in der Kategorie Contemporary Music gewann und seit Jahren eine erfolgreiche Solo-Karriere verfolgt. Was Tatjana Vassiljeva an Anmut und Transparenz in dieses Werk brachte, war sehr beeindruckend. Ihre junge Frische verknüpfte sie geschickt mit werksdurchdringender Reife und technisch perfekter Virtuosität. Stets entschied sie sich für einen warmen runden Cello-Ton, sie spielte auf dem "Vaslin"-Cello von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1725. Ihre Leidenschaft war ihr anzusehen, sie hielt oft lächelnd Kontakt mit dem Dirigenten wie auch dem flexiblen Orchester und zeigte mitreißend ihre Phrasierungskunst und Musikalität in dem viersätzigen Konzert. Nach Bravos und brausendem Applaus dankte sie mit dem Präludium der 1. Bachschen Cello-Suite.

Romantisch klang der Konzertabend aus mit der Sinfonie Nr. 3 a-Moll "Die Schottische" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Durch seine Schottlandreise wurde der junge Mendelssohn nicht nur zur Komposition der Ouvertüre "Die Hebriden" inspiriert, die im 2. Sinfoniekonzert dieser Spielzeit zu hören war, sondern konkret im Holyrood Abbey in Edinburgh mit der Idee des melancholischen Auftaktmotivs zu eben dieser 3. Sinfonie.

Kimbo Ishii-Eto und die Magdeburger Philharmoniker präsentierten sie aus einem Guss, nicht nur, da Mendelssohn die vier Sätze attacca anlegte, sondern durch zupackende Tempi der Ecksätze und poetische Artikulation. Die Holzbläser, insbesondere die Solo-Klarinette, musizierten sehr charakterlich beweglich nicht nur bei den schottisch-folkloristischen Elementen. Die Streicher dynamisch flexibel und gewandt, von quirlig bis elegisch. Mit dem doppelpunktierten majestätischen Schluss bewies Ishii-Eto ein hervorragendes Gespür für eine Balance zwischen angemessener Energie und malerischer Klangschönheit, auf die sich ebenso das Blech einstellte. Ein rundum gelungener Konzertabend.