Magdeburgische Philharmonie spielt Strawinskys "Feuervogel" und 1. Klavierkonzert von Brahms Ein Sinfoniekonzert der Kontraste
Eine zauberhafte Vermischung musikalischer Gattungen boten die zwei romantischen Werke, die zum Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie im Opernhaus erklangen: Strawinskys Ballettsuite "Der Feuervogel" und Brahms 1. Klavierkonzert. Solist war der italienische Pianist Davide Cabassi.
Magdeburg l Zunächst traf Ballett auf Konzert. Ausdrucksstark verzauberte die Magdeburgische Philharmonie das Publikum mit Igor Strawinskys 3. Konzert-Fassung der "Feuervogel"-Suite. Mit seinem zugrunde liegenden Ballett gelang Strawinsky nicht nur der persönliche Durchbruch, er setzte auch mit seinen erstaunlichen Charakterisierungen eine Marke des musikalischen Aufbruchs ausgehender Romantik in Richtung Moderne.
Kimbo Ishii-Eto brachte die Musiker dazu, wirklich aus dem Nichts im äußersten pianissimo zu beginnen. Für diesen Anfang schalt seinerzeit Richard Strauss den jungen Strawinsky. Man könne doch nicht sein Stück pianissimo anfangen... Doch, man kann. Und so entwarfen grummelnd die große Trommel und Celli eine düstere, bannende Sphäre des Zauberers. Effektvoll flirrende Klänge der Streicher und Bläser ließen den Feuervogel tanzen. Eine liebliche Klarinettenstimme war hörbar das Motiv von Iwans großer Liebe zur Prinzessin der überirdischen Schönheit. Eine anmutige Oboenstimme stimmte den Reigen der Prinzessinnen an.
Dynamik und Stimmungen
Abrupte Dramatik schließlich im Höllentanz mit aggressiven Rhythmen. Das hatte hohe Anforderungen an die zwei Trompeten, die sich gegen drei Posaunen, eine Tuba und vier Hörner durchsetzen mussten. Wunderbar, wie Kimbo Ishii-Eto betont exakt dirigierte, aber sehr locker blieb. So verkrampfte nichts und die Musiker lebten bei sehr guten dynamischen Differenzierungen die bildhafte Instrumentation aus. Nach dem musikalischen Zusammenbruch welch geheimnisvolles Fagottsolo, einem Wiegenlied des Feuervogels, das mit zarten Streichertremoli in der triumphalen und groß retardierenden Schlusshymne mündete. Ishii-Eto hielt sehr lange die Spannung - die Wirkung beim Publikum hat dies nicht verfehlt. Mehrere Bravos entluden sich.
Der zweite Konzertteil gehörte ganz einem charismatischen italienischen Pianisten. Der gebürtige Mailänder Davide Cabassi, Preisträger des renommierten Van-Cliburn-Klavierwettbewerbs, spielte Brahms 1. Klavierkonzert d-Moll op. 15. Hierbei trafen sich nun Sinfonisches und Konzertantes. Denn mit keinem zweiten Werk tat sich Brahms so schwer. Aus der ursprünglich geplanten Sonate für zwei Klaviere wurde eine Orchestrierung des Kopfsatzes. Dieser wurde zum Einleitungssatz einer Sinfonie, doch das Sinfonieprojekt scheiterte. Dessen ersten Satz übernahm er schließlich für das Klavierkonzert. Insofern verwunderte die 90-taktige energiegeladene Orchestereinleitung nicht.
Demgegenüber stieg der Solist mit einem sehr lyrischen eigenen Klaviergedanken ein. Schon hier hatte man einen völlig unprätentiösen Eindruck von Davide Cabassi. Auch im heroischen Kraftgestus der folgenden Entwicklungen blieb er besonnen und weich. Ja, er kehrte seine empfindsame Seite hervor, technisch über den vom Orchester aufgegriffenen Trillerketten stehend. Ein Kaugummi im Mund schien bei Davide Cabassi eine Funktion zu haben, machte den Anschein von Coolness. Doch seine tiefe Emotionalität spiegelte sich in der beseelten Gestaltung seiner kontrastreichen Parts wider.
Im zweiten Satz dominierte er mit seinen umspielenden Figuren in wunderbarer kantabler Ruhe mit schönen Holzbläserkorrespondenzen. Allerdings schien das Orchesterzusammenspiel manchmal etwas schwimmend. Dem sinfonischen Charakter stand der dominante Part des Klaviers im Finale gegenüber, der nun einem Virtuosenkonzert gerecht wurde. Das breite Spektrum an Dynamik und Stimmungen kommt hier vielfältig zum Tragen. Cabassi brillierte mit meisterhafter Technik und spielfreudiger Interpretation ohne Wucht und Grobheit. Davide Cabassi brauchte sich nicht zwischen Romantik und Klassik zu entscheiden, er beherrschte beides. Das war begeisternd.