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Kabarettist Dieter Hildebrandt an Krebs gestorben "Ein waches Gewissen der Nation"

Dieter Hildebrandts Humor trieb den Deutschen so manche Träne ins Auge.
In der Nacht zum Mittwoch verlor der Kabarettist den Kampf gegen den
Krebs.

21.11.2013, 01:06

München (epd). Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot. Er erlag im Alter von 86 Jahren in einem Münchner Krankenhaus seiner Prostatakrebs-Erkrankung. Das bestätigte der Geschäftsführer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Till Hoffmann, gestern dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Dieter Hildebrandt war eine Instanz, er setzt weiter den Maßstab für die Zukunft der Lach- und Schießgesellschaft", sagte Hoffmann.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erklärte, Deutschland habe "einen großartigen Kabarettisten" verloren. Hildebrandt sei "ein waches Gewissen der Nation" gewesen. "Er hat den Geist der Freiheit und das Verantwortungsgefühl für die Demokratie und den Frieden in der Bundesrepublik verkörpert, ohne dabei dogmatisch oder gar humorlos zu werden."

Auch die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler sprach von einem großen Verlust. Hildebrandt habe die Bundesrepublik über Jahrzehnte mit hochintelligenter Satire begleitet. Er sei in der evangelischen Kirche "geistig beheimatet" gewesen und habe viele kirchliche und soziale Projekte unterstützt. Der Karikaturist und enge Freund Hildebrandts, Dieter Hanitzsch, notierte auf Facebook: "Spiel, Satz und Sieg für Hildebrandt. Was für ein Leben! Danke, lieber Dieter, für alles."

Erst am Dienstag hatte Hildebrandts Ehefrau Renate bekanntgegeben, dass ihr Mann an Prostatakrebs erkrankt sei und nie wieder auf der Bühne stehen werde. Seit Sommer soll Hildebrandt von seiner Krebserkrankung gewusst haben. Nachdem sich sein Zustand zwischenzeitlich verbessert habe, habe es vergangene Woche dann einen Rückschlag gegeben.

Hildebrandt wurde 1927 im niederschlesischen Bunzlau geboren. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die er 1956 mitgegründet hatte. In den 70er Jahren trat er im ZDF in der Satiresendung "Notizen aus der Provinz" auf. In Helmut Dietls Serie "Kir Royal" spielte Hildebrandt Mitte der 80er Jahre einen Paparazzo in der Münchner Schickeria. Von 1980 bis 2003 war er in der ARD in der Kabarettsendung "Scheibenwischer" zu sehen.

Bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft stand der Kabarettist bis zuletzt auf der Bühne. Dieter Hildebrandt erhielt für seine Arbeit unter anderem den Grimme-Preis und den Deutschen Kleinkunstpreis.