Uraufführung des Balletts "Butterfly" in einer Inszenierung von Jaroslaw Jurasz am Nordharzer Städtebundtheater Eine Operngeschichte getanzt: Traurig, schön, intensiv, innig
Quedlinburg l So unsagbar traurig - und so ungeheuer schön, intensiv und innig: Das Ballett "Butterfly" des Choreografen Jaroslaw Jurasz hat am Sonnabend seine triumphale Uraufführung im Großen Haus Quedlinburg des Nordharzer Städtebundtheaters erlebt.
Auf der Opernbühne gab es das Thema schon seit rund 110 Jahren mit der Oper von Giacomo Puccini. Mit Teilen dieser Musik und neuen Kompositionen seines Hauskomponisten Ireneos Triandafillou schuf Jurasz ein fesselndes modernes Tanztheater.
Die Handlung und die Personen folgen durchweg der Oper. Aber es wird ja nicht gesungen. Geschehen, Motive und Gefühle werden wortlos nur durch Körpersprache und Ausstattung ausgedrückt. Das künstlerische Quartett aus Choreograf, Komponist, Szenografin und Ballettensemble wirkte dabei engstens zusammen und schuf mit dieser glänzenden Gemeinschaftsarbeit eine in jedem Punkt mitreißende Menschen-Geschichte: Mit expressiver Tonsprache. Mit höchst variablem, minimalistisch-fernöstlich wirkendem Bühnenbild und zauberhaft zarten Tanzkostümen (Kordula Kirchmair-Stövesand). Mit präzisem Körpereinsatz.
Minimalistisches Bühnenbild, zarte Tanzkostüme
Die Handlung? Heiratsvermittler Goro (Stephan Müller) vermittelt dem amerikanischen Marineoffizier Pinkerton (Daniel James Butler) eine Ehe mit der japanischen Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly (Kimiko Koo) auf Zeit. Madame Butterfly tut alles, um ihrem Freund zu gefallen. Sie legt den Kimono ab, trägt europäisch-amerikanische Mode und konvertiert vom Buddhismus zum Christentum. Sie erträgt die Missachtung ihrer Familie und ihres Priesteronkels Bonze (Liang-Che Chien), bloß um Pinkerton zu lieben.
Stringent erzählte Geschichte mit herausragendem Ensemble
Doch er reist ab. Es war nur ein Flirt - nicht aber für Butterfly. Sie hat ein Kind (Lisa-Marie Bredy) bekommen; es spielt inzwischen im Matrosenanzug mit einem Kriegsschiff. Und tröstet die Mutter. Pinkerton besucht mit seiner Frau Kate (Tiana Lara Hogan) Japan. Es kommt zur Begegnung mit der völlig desillusionierten Butterfly. Sie übergibt ihr Kind auf Wunsch von Konsul Sharpless (Jaume Bonin) in die Obhut ihrer Dienerin (Ute Karadimow), entfernt die Christus-Ikone und legt die traditionellen japanischen Gewänder wieder an. Am Ende steht ihr Tod mit dem Samurai-Schwert ihres Vaters.
Eine stringent erzählte Geschichte des Weltkultur-Umdeuters Jurasz, mit einem herausragenden Ensemble realisiert. Und mit zwei besonders intensiv tanzenden Solisten: mit Daniel James Butler (etwa drei Viertel der Zeit auf der Bühne präsent) und Kimiko Koo. Sie bestimmt fast zwei Stunden lang das tänzerische Geschehen. Der Vergleich mit der Oper ist Vergnügen pur. Acht Minuten stehender Applaus im voll besetzten Haus.
Weitere Aufführungen: 2., 17. März in Halberstadt