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Kugelblitze Eine Schippe zu viel Albernheit

Das neue Programm der „Kugelblitze“ führt ins Camp. Wohlige Lagerfeuerromantik kommt nicht auf, es geht um Flüchtlinge.

Von Claudia Klupsch 08.11.2015, 23:01

Magdeburg l Das neu formierte Kugelblitz-Dreiergespann mit dem Neuen, Axel Schröder, und den bekannten Protagonisten Sabine Münz und Ernst-Ulrich Kreschel liefern Szenen und Lieder unter der Überschrift „Es ist nicht das, wonach es aussieht“. Fazit nach der Premiere am Freitag: Kabarett soll es sein, nach Comedy sieht es aus.

Die originelle Rahmen-Idee: Drei Leute in mehr oder weniger kleidsamen Joggingklamotten treffen auf dem Campingplatz am Barleber See zusammen. Für oder gegen Flüchtlinge? AfD oder doch links? Gutmensch oder besser nicht? Es ist nicht klar, wofür oder wogegen man sein soll. Diese Ratlosigkeit zieht sich durchs Programm. Auf jeden Fall aber hagelt´s Spitzen gegen die Politik der Bundesregierung.

Sabine Münz glänzt wieder einmal als herausragende schillernde Komödiantin. Sie parodiert Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen famos, sorgt für Lacher, als sie in dieser Rolle mit zwei ihrer Untergebenen das Nachfolgegewehr des Pannen-G-36 inspiziert. Es ist nichts anderes als ein profaner Besen, „sacht und fleißig“. Schießen kann die neue Waffe allerdings nicht.

Münz als überdrehte Ministerin, Schröder als zackiger Admiral und Kreschel als stoischer Marine-Soldat geben ein ulkiges Bild ab. Gemeinsam überlegen sie, dass Asylanten, immerhin junge, kampferprobte Männer, als Bundeswehrfreiwillige ideal geeignet seien.

Angela Merkel stecken die Kugelblitze in die Klapse. Sabine Münz gibt sie in Zwangsjacke, die Mundwinkel nach unten, Gesichtsausdruck und Sprache sind Merkel-echt, als sie sagt: „Ich möchte noch viel Gutes tun, mir sind aber die Hände gebunden.“

Das von ihr angestimmte Lied enthält dann allerdings Textzeilen, die über das Satireziel hinausschießen. Die der Kanzlerin angedichtete Affinität zum Burka-Gewand ist nur schwacher platter Reim. Szene und Text würden vermutlich auch Leuten gefallen, denen zu gefallen nicht gefallen dürfte. Wenn etwa später im Text plump festgestellt wird, Thomas de Maizière habe man „das Gehirn geklaut“, erfüllt das keineswegs den Anspruch an feinsinniges politisches Kabarett.

Dabei hat das Trio durchaus witzige Wortspielereien auf Lager. Frau von der Leyen „wollte eher Kanzlerin, als hier zu ministern“. Sachsen sei „ein sicherer Trittstaat“. Als ein Pärchen im Zelt gestört wird, ruft es hinaus: „Das Zelt ist voll! Schieb ab!“ Im Home-Deppen-TV-Shop gibt´s das Kotzbecherset AfD und das Gutmenschen-Asylanten-Begrüßungsset. Drohnen schweben über Dresden, ein schießwütiger Ami (Kreschel) will der laufenden Zusammenrottung den Garaus machen.

Der Comedy-Auftritt der Geissens darf natürlich nicht fehlen. Sabine Münz und Ernst-Ulrich Kreschel mimen das schrille TV-Pärchen in bekannter alberner Manier, die beim Publikum prima ankommt. Ausstaffiert mit aufblasbaren Gitarren singen die drei Kugelblitze: „Wir sind die Größten auf der Welt, wir haben Flüchtlinge im Zelt.“

Einen unterhaltsamen Höhepunkt liefert die Szene „Polizistin kontrolliert Protest-Camp“ mit Leibesvisitation und „Massenschlägerei“ zwischen Schröder und Kreschel, die die Münz ohrenerschreckend auseinandertreibt.

Das Publikum ist amüsiert, erfreut sich an der Überzeichnung. Im Gutmenschen-Song zeigt Sabine Münz wieder die grandiose Komödiantin.

Inhalt in etwa: Ich bin ein Gutmensch, will den Weltfrieden und mag hoppelnde Karnickel auf der Wiese, jene allerdings auch in Rotweinsoße. Gutmenschen sind auch nur Menschen.

Insgesamt sind der Albernheiten im Programm eine Schippe zu viel angehäuft. Der Drohnen-Joystick als Ständer in der Hose - ist das wirklich witzig? „Wir sitzen alle in einem Zelt als Tore dieser Welt“, bleibt eine Liedzeile aus dem neuen Kugelblitze-Programm haften, das eher Comedy-Kost als satirisches Kraftfutter liefert.