Schauspielerin stellte ihr Buch "Leise jedoch kann ich nicht" in Magdeburg vor

Erlebnisse der Manon Straché: Witzig, skurril, unglaublich

"Lachen mit Manon Straché" hätte die Lesung am Donnerstagabend in der Magdeburger Stadtbibliothek überschrieben sein können. Die Schauspielerin und Kabarettistin gab Auszüge aus ihrem Buch "Leise jedoch kann ich nicht" zum Besten und das Publikum im ausverkauften Saal hatte gut zu tun, die Lachtränchen aus den Augen zu wischen.

Von Claudia Klupsch

Magdeburg. "Ein Buch über 50 Jahre Leben in Deutschland" habe sie geschrieben, so Manon Straché. Kein Geschichtsbuch, ein Geschichtenbuch. "So, jetzt haben wir das geklärt", schließt sie einführende Worte und taucht gemeinsam mit ihren Zuhörern in ihren Rückblick auf ein turbulentes Leben ein.

1960 in Magdeburg als Tochter einer Balletttänzerin geboren, führt der Weg der Manon Straché zur Bühne, zu Theater, Kabarett und Film. Bekannt machen sie unter anderem Rollen in den Vorabendserien "Lindenstraße" und "girl friends". In ihrem Buch hat sie ihre Erinnerungen aufgeschrieben, ihre ganz eigene Geschichte als Teil der deutsch-deutschen Geschichte. Eine Menge hat sie erlebt, Witziges, Skurriles, Unglaubliches.

Manon Straché dort auf dem Podium – schön, strahlend, kraftvoll – liest die Geschichten nicht einfach vor, oh nein. Die Vorleserin wird zur Entertainerin, das Lesetischchen wird zur Bühne. Ihre sprachlichen und schauspielerischen Fähigkeiten verwandeln jede Szene in Kopfkino, jede auftretende Person scheint mit im Raum zu sein.

Da ist etwa die liebe Großmutter, mit der die kleine Manon auch im Sommer Weihnachlieder singt (Oma hatte die Zähne schon herausgenommen). Da ist die Nachbarin, deren sprachliche Fehler für Heiterkeit sorgen ("kokainfreier Kaffee"). Beide Frauen lässt Straché wunderbar im sächsischen bzw. magdeburgischen Dialekt aufleben. Auch Erich Honecker mit brüchiger Stimme kommt vor, als das Schulkind Manon ihm im Ferienlager Werbellinsee begegnet.

Früh zieht es Manon Straché in den "Kosmos Theater". Schwärmerisch erzählt sie von der Atmosphäre und von vielen lieben Menschen mit kindlichem Gemüt. Die Schauspielschulen lehnen sie jedoch siebenmal ab, bevor Strachés unbändiger Wille sie zum Studium nach Leipzig bringt.

Später als Kabarettistin bei den Pfeffermüllern und Academixern werden ihr Gastreisen in den Westen möglich. Herrlich witzig schildert sie ihre Eindrücke und das Erlebnis "Whisky-Saufen" mit Udo Jürgens in der Schweiz. Die Wortwahl und das mimische Darstellen des gewaltigen Katers am Morgen danach – zum Piepen komisch. Bei den Erinnerungen der Straché mögen viele im Publikum eigene Empfindungen wiedererkannt haben, roch das Westpaket doch in der Tat so süßlich-eigenartig. Zum Totlachen ist ihre Geschichte um den Damen-Hygieneartikel "von drüben"!

Nach dem Mauerfall fasst Manon Straché im Westen Fuß. Höhepunkte ihrer bei der Lesung kredenzten Geschichten sind das Erlebnis mit einer schwäbischen Verkäuferin und das Auferstehen der Inge Meysel.

"Leise jedoch kann ich nicht" ist der Titel des Buches. Doch Manon Straché kann durchaus leise, dann etwa, wenn sie von den emotionalen Erlebnissen in der Wendezeit berichtet, von vier zarten älteren Damen auf der Montagsdemo in Leipzig etwa oder von der tränenreichen Taxifahrt mit Horst Buchholz durch das Brandenburger Tor. Kritisch habe sie die DDR gesehen, ihr war bewusst, im "theatralischen" Leipziger Kabarett so etwas wie ein geduldeter "Hofnarr des Systems" gewesen zu sein. Doch Abhauen habe sie nie gewollt, das hätte Folgen für Ensemble und Familie gehabt.

Doch das Buch der Straché bleibt in Gänze witzig, das deutsch-deutsche Thema ist aus ganz persönlicher Sicht gesehen, das Komische des Alltags betonend. Am Ende des Leseabends gibt es langen Applaus für einen wunderbar-unterhaltsamen Abend.