Familienbande: Melancholischer Film aus Irland
Will kann das Gefängnis verlassen, er soll sich um seine Nichte Stacey kümmern. Für beide ist es die Chance eines Neuanfangs. Der melancholische Film Familienbande spielt in Irland.
Berlin (dpa) - Mit einem klapprigen Auto fahren Will und Stacey von Dublin in die irischen Midlands. Eine öde Gegend. Will soll sich um seine elf Jahre alte Nichte Stacey kümmern, deren Eltern tot sind. Dafür kommt er unter Auflagen aus dem Gefängnis frei.
Mark Noonan (Buch und Regie) lässt seinen Debütfilm Familienbande in einem Wohnwagen-Park spielen. Ein Ort des Übergangs und der Möglichkeiten - passend zur Lage von Will und Stacey, die sich langsam kennenlernen.
Will (Aidan Gillen, Game of Thrones) will erstmal nicht erzählen, warum er zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Staceys Mutter ist vor einigen Wochen gestorben, und der Teenager müsste ins Heim, wenn es den Onkel nicht gäbe. Zunächst wirken die Rollen der beiden wie vertauscht: Stacey (Lauren Kinsella) gibt altkluge Ratschläge (Fremdgehen gehört dazu), und Will verhält sich wie ein albernes Kind. Als die Schule Stacey nicht aufnimmt, weil sie unter Narkolepsie leidet und immer wieder unvermittelt einschläft, bietet Emilie ihre Hilfe an.
Sie kommt aus Belgien, ist Lehrerin und lebt mit ihrem Mann Tibor und dem kleinen Sohn ebenfalls in einem der Wohnwagen. Will findet keine reguläre Arbeit, Müllmann Tibor vermittelt ihm Aushilfsjobs. Langeweile und Trostlosigkeit bekämpft Will mit Bier und Pillen, die gegen Staceys Krankheit gedacht sind. Der Humor ist lakonisch, Pathos wird sofort gebrochen. Als Will an Staceys Bett sitzt und ihr sagt, dass er sie liebhat, fragt Stacey: Warst du das oder das Bier?, Will antwortet: Ich spreche zum Bier.
Das Jugendamt überzeugt das Zusammenleben von Will und Stacey nicht: Der Onkel muss seine letzten Monate absitzen, die Polizei holt seine Nichte ab. Nach Wills Entlassung treffen sich beide wieder. Wie es mit ihnen weitergeht, bleibt offen. Regisseur Noonan sagt im Presseheft: Wenn der Film vorbei ist, soll man über die Figuren nachdenken - man bekommt lediglich Hinweise. Anscheinend ist bewusst vage gehalten, worauf Familienbande letztlich hinaus will.
Der Film wirkt wie eine Episode - zwei Menschen werden eine Zeit lang in einer schwierigen Situation begleitet. Die Schauspieler überzeugen: Will versucht, seine Chance zu nutzen, kommt aber gegen sich selbst und die Umstände nicht wirklich an; Stacey gibt sich als vorlautes, aber auch verletzliches Teenager-Mädchen.
Der Zuschauer erfährt schließlich doch noch, warum Will im Knast saß, anderes an der Handlung bleibt unklar: So wird nicht aufgelöst, wieso und wohin Emilie plötzlich verschwindet. Die Landschaftsbilder und die ruhige Erzählweise wiederum passen zu der Melancholie und Tristesse in Familienbande.
(Familienbande, Irland 2015, 81 Min., FSK ab 6, von Mark Noonan, mit Aidan Gillen, Lauren Kinsella, George Pistereanu, Erika Sainte)