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Bizet-Oper des Nordharzer Städtebundtheaters mit begeisternden Darstellern Farbenreiche "Carmen" auf dem Berg

Von Hans Walter 15.08.2012, 03:18

Die Oper "Carmen" von Georges Bizet ist eine sichere Spielplanposition - auch im Harzer Bergtheater. Die Zuschauer im gut besetzten Rund belohnten die Akteure des Nordharzer Städtebundtheaters mit rhythmischem Applaus.

Thale l Der Beifall ging zu einem großen Teil an die drei ausgezeichnet singenden und spielenden Darsteller der Zigeunerinnen: allen voran Regina Pätzer als Carmen, Nina Schubert als Frasquita und Bettina Pierags als Mercedes. Ein körperlich und in den Gesangsfarben sehr attraktives Trio in Top-Form.

Die Pätzer als Carmen ist verletzlich und biegsam, aber unbeugsam in der Kompromisslosigkeit ihres Liebesanspruchs. Mit dem südkoreanischen Tenor Byoung Nam Hwang als Gast stand ein dramatisch gestaltender Don José mit stimmlicher Leuchtkraft zur Verfügung. Er zeigt Eifersucht, Liebeswahnsinn und tiefe Verletzbarkeit ebenso wie sein anfängliches Desinteresse an dieser Wahnsinnsfrau Carmen.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Mit den José-Nebenbuhlern Gijs Nijkamp als Leutnant Zuniga und mit Juha Koskela als Stierkämpfer Escamillo. Das Bauernmädchen Micaela (Kerstin Pettersson) - die Verlobte Don Josés - hatte ergreifende Auftritte: Sie gestaltet das Hoffen und Harren auf ihren Liebsten bis hin zur resignierten Erkenntnis, dass José ihrer Liebe nicht bedarf. Tobias Amadeus Schöner in einer Doppelrolle als Schankwirt Lillas Pastia und besonders als Schmuggler Remendado sowie Ki Soo Yoo als Schmuggler Dancairo trugen zur Farbigkeit wesentlich bei.

Leistungsstarke Chorsänger

Der von Jan Rozehnal studierte Theaterchor mit schönen Partien für die Damen und die Herren wurde durch einen leistungsstarken Verstärkungs- und Kinderchor ergänzt. Ganz ausgezeichnet.

Ebenso das vom neuen 1. Kapellmeister Michael Korth mit prickelnder Verve dirigierte und mit südländischer Sevilla-Glut aufspielende Orchester des Städtebundtheaters - von einigen leichten Klapperstellen einmal abgesehen. Im weiten Rund des Bergtheaters die große Sängerschar und die Musiker zusammenzuhalten, bedarf es eben auch einer gehörigen Prise Erfahrung.

Szenenapplaus gab es schon nach der Ouvertüre, der sich nach jeder Gesangsnummer noch steigerte. Nach Carmens "Habanera", nach Josés "Blumenarie", nach Escamillos "Toreador, zum Kampfe", nach dem Schmuggler-Quintett, nach dem den Tod Carmens verheißenden Terzett der Kartenlegerinnen.

Regie (Werner Pichler) und Ausstattung (Susanne Bachmann) setzten auf Tradition - und fuhren gut damit. So entstand eine "Carmen"-Inszenierung, die ihren Spannungsbogen aus der Dramatik der Bizetschen Musik und der Qualität der literarischen Vorlage von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Métimée gewann (Dramaturgie Susanne Range).

Letztere steuerte für den Programmzettel auch das kluge Nietzsche-Zitat von 1888 bei. Es geht "um die Liebe, die in ihren Mitteln der Krieg, der Todhass der Geschlechter ist! Ich weiß keinen Fall, wo der tragische Witz, der das Wesen der Liebe macht, so streng sich ausdrückte, so schrecklich zur Formel wurde, wie im letzten Schrei Don Josés, mit dem das Werk schließt: ,Ja! Ich habe sie getötet, ich - meine angebetete Carmen!\'" Ergriffenheit der Besucher und intensiver Applaus für dieses Werk.

Nächste Vorstellungen: Wasserschloss Westerburg am 17. August, in Thale am 18., 26. und 29. August und 8. September