Magdeburg l Ganz zum Schluss von „La Notte“ regnete es rote Herzchen. Da standen Freitagnacht unter dem sternenklaren Firmament im Klosterbergegarten Menschen dicht an dicht, schauten gespannt zum Himmel und ließen sich berauschen von dem, was das belgische Theater Tol tanzte, sang und radelte. Was sich da erst am Boden und später in 20 Metern Höhe abspielte, war eine beeindruckende Hommage an die italienischen Radfahrlegenden Gino Bartali und Fausto Coppi.

Vor der schönen Kulisse des angestrahlten Gesellschaftshauses und dem Grün des Parks hingen zwei Rennräder am Kranhaken in luftiger Höhe, traten zwei Fahrer voller Wucht in die Pedale und boten sich einen erbitterten Kampf. So wie es einst war.

Coppi, Jahrgang 1919, und der etwas ältere Bartali fuhren seit 1940 zusammen in einem Rennstall, wurden dann Konkurrenten beim Giro d‘Italia und bei der Tour de France. Schwarz-Weiß-Videos von den Rennen und begeisterten Zuschauern flimmerten über eine gewaltige runde Leinwand. Das Magdeburger Publikum stand in der Begeisterung in nichts nach: Fähnchen schwenkend haben sie den Radfahrern zugewunken. Italienische Lieder dazu. Dann Flugzeuge und Bomben. Krieg in Italien bedeutete einen zwischenzeitlichen Karrierestopp der Radfahr-Asse. „Sag mir, wo die Blumen sind“ klang es vom Balkon des Gesellschaftshauses. Poetisch, schön, nachdenklich.

Das Leben ging weiter mit Ruhm und Ehre, der Liebe zu einer Frau. Die Damen des Theaters Tol tanzten in der Höhe, wedelten ihre Plüsch-Röcke. Bezaubernde Kostüme. Das Publikum staunte ob des Spiels am Himmel. Zum Schluss regnete es Glimmer und Glitzer in die warme Nacht. Es waren Herzchen.