Magdeburg l Beeindruckende Zeitdokumente entführen in eine Region der Mythen und der Sehnsüchte. Mit Einfühlungsvermögen und dem sicheren Blick für das Wesentliche gelingt es Lucas Foglia (geboren 1983), die grenzenlose Sehnsucht nach dem Land der Abenteurer und Pioniere aufzugreifen, erlebbar zu machen.

Doch es sind keine Fotos, wie sie zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Schwarz-Weiß entstanden, die bis in die Gegenwart als Kalender und Poster gut verkauft werden. Die Landschaft hat sich verändert, der Mensch griff ein, trieb und treibt einen Raubbau an der Natur.

Cowboys, Kühltürme, Kohlehalden

Foglia ist nicht unterwegs gewesen, um anzuklagen, sondern um ein Porträt zu schaffen. Für ihn zählen die Gegensätze, oftmals auf den ersten Blick kaum zu entdecken. Die Winterlandschaft Wyomings gibt den Blick frei auf ein Kraftwerk mit seinen Kühltürmen. Kohlehalden türmen sich auf der nächsten Arbeit auf, dann wieder werden Cowboys auf ihren Pferden zum bestimmenden Motiv.

Für den Fotografen ist es eine moralische Mission, er will Hintergründe beleuchten. „Ich möchte mit meinen Bildern die Aufmerksamkeit auf Menschen und Orte lenken, die dieses Interesse brauchen. Der Wilde Westen ist Teil unserer amerikanischen Geschichte, und ich denke, es ist wichtig, diesen nicht zu zerstören,“ räumt er ein. Für ihn geht es darum, die Betrachter der Fotos zum Denken und Fühlen zu zwingen, ohne ihnen vorzuschreiben, in welche Richtung.

Und der Künstler spricht stets aufs Neue davon, wie wichtig ihm Kontakte zu den Menschen in einer der am dünnsten besiedelten Regionen der USA waren. Sie hätten über ihre Sorgen um die Landschaft, in der sie leben, gesprochen. Das Dilemma: Viele verdienen in der Industrie ihren Lebensunterhalt, die die Landschaft zerstört. Selbst in Zeiten der Rezession – die Bilder entstanden zwischen 2006 und 2013 – boomte dort die Wirtschaft.

Premiere für Museum und Künstler

Es sind die überraschenden Motive, die Umwelt zwischen herber Schönheit und brutaler Einflussnahme des Menschen, von der die Exposition lebt. Lucas Foglia war dort, nicht auf einer kurzen Reise, sondern zu einer regelrechten Bestandsaufnahme, erlebte die Naturgewalten, trotzte Schneestürmen.

Sein Anliegen funktionierte nur durch den engen Kontakt mit den dort Lebenden, durch viele Gespräche, durch das Interesse an den Geschichten, der Vergangenheit.

Ursprünglich hatte das Projekt „Frontcountry|Grenzland“ allein ein Buch zum Ziel. Dass daraus mehr geworden ist, lässt sich durchaus als Gewinn sehen.

Und das Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen bewies Gespür und ein wenig Glück für die Exposition. Zum ersten Mal ist der Zyklus nahezu komplett zu sehen. Premiere auch für Foglia, der bislang noch keine Personalausstellung in einem Museum gestalten konnte. Eine zweijährige Vorbereitungszeit brachte der Landeshauptstadt einen kulturellen Höhepunkt.

Seine nächste Präsentation plant der Fotograf in Tokio.