Berlin (dpa) l Bei der 66. Berlinale gibt es erste Favoriten, Gewinner und Verlierer.
Favoriten: Die Dokumentation „Fuocoammare" (Feuer auf See) beeindruckte Publikum und Kritiker. Der Italiener Gianfranco Rosi erzählt darin vom Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa und vom Flüchtlingssterben im Mittelmeer. Ebenfalls heiß gehandelt: „Soy Nero“ (Ich bin Nero) des aus dem Iran stammenden Regisseurs Rafi Pitts. Er folgt in seinem Spielfilm dem jungen Mexikaner Nero, der in die USA flüchtet und sich dort freiwillig zum Militärdienst meldet, um schnell eine Green Card zu bekommen.
Starke Frauen: Auffällig viele Filmheldinnen gibt es dieses Mal: Julia Jentsch entscheidet als Schwangere in „24 Wochen“ (Regie Anne Zohra Berrached) über Leben oder Tod ihres ungeborenen Kindes. Isabelle Huppert spielt in „L‘avenir“ (Regie Mia Hansen-Løve) eine Philosophiedozentin, die das Leben mit kühlem Intellekt meistern will. Sandrine Kiberlain brilliert in „Quand on a 17 ans“ (Regie André Téchiné) fern von Klischees als liebevolle Mutter, Ehefrau und Ärztin. Kirsten Dunst kümmert sich in „Midnight Special“ (Regie Jeff Nichols) hingebungsvoll um ihren achtjährigen Sohn, der übersinnliche Kräfte hat.
Starke Franzosen: Das Nachbarland Frankreich ist im offiziellen Wettbewerb gleich mit vier Filmen in und außer Konkurrenz vertreten – unter anderem mit dem Roadmovie „Saint Amour“ mit Gérard Depardieu und Benoît Poelvoorde. Die französischen Wettbewerbsfilme seien „Filme mitten im Leben“, sagt Berlinale-Direktor Kosslick.
Gewinner: Mit ihrem Abschlussfilm von der Filmhochschule landete die Erfurter Regisseurin Anne Zohra Berrached im Berlinale-Wettbewerb. Für ihr mutiges Spätabtreibungsdrama „24 Wochen“ mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel in den Hauptrollen bekam sie vom internationalen Publikum viel Applaus und löste kontroverse Diskussionen aus.
Verlierer: Die Verfilmung von Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ enttäuschte. Regisseur Vincent Perez hat die Geschichte um das Berliner Ehepaar Quangel, das mit einer Postkarten-aktion Widerstand gegen die Nazis leistet, zwar prominent besetzt. Doch trotz der schauspielerischen Leistung von Brendan Gleeson, Emma Thompson und Daniel Brühl bleiben die Charaktere hölzern und die Szenerie kulissenhaft.