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Fünf auf einen Streich

26.07.2012, 03:18

Ein kompliziertes Problem ist nur so lange kompliziert, bis jemand eine einfache Lösung findet. Der verregnete Sommer konnte so nicht weitergehen. Auch mit Griechenland und dem ganzen Euro-Kladderadatsch kann es nicht so weitergehen. Deshalb ist es gut, dass wir Jorgo ("Chatzi") Chatzimarkakis haben.

Das ist der Europaparlamentarier der FDP, der sich wegen einiger kleiner Nachlässigkeiten in seiner Doktorarbeit nicht mehr Doktor nennen darf. Vor vier Jahren überraschte er seine Partei und die Grünen mit dem Vorschlag, beide Parteien sollten fusionieren, weil es längst blaue Grüne und grüne Blaue gäbe. Daraus wurde nichts.

Aber Jorge Chatzimarkakis hat sich nicht entmutigen lassen und nun einen neuen, genialen Geistesblitz gesendet: Um den Deutschen - falls es mal wieder regnet - die miese Wetterlaune zu nehmen und gleichzeitig den in die Euro-Bredouille geratenen Südeuropäern unter die Arme zu greifen, müsste es staatliche Prämien für Deutsche geben, die sich kurzfristig zum Urlaub beispielsweise in Griechenland entschließen.

Chatzimarkakis, Deutscher griechischer Abstammung: "Das wäre auch ein europäisches Konjunkturprogramm." Und der FDP-Bundestagsabgeordnete Lotter unterstützt seinen Euro-Kollegen: "Das wäre sinnvoll. Die Politik sollte zusammen mit der Industrie Anreize schaffen." Jawoll. Da hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen - ach was, drei: Die miese Laune im Land wäre vertrieben, die Euro-Krise mit dem touristischen Konjunkturprogramm gelöst und der Kanzlerin wäre gleichfalls geholfen. Eine Win-Win-Win-Situation. Und wenn sich denn auch noch die internationale Finanzindustrie beteiligen würde, die diesen ganzen Euro-Zauber verursacht hat, wäre sogar noch der Gerechtigkeit Genüge getan. Win-Win-Win-Win.

Nun sieht man im Geiste schon die Beamten im Finanzministerium über der Aufgabe schwitzen, ihrem Minister Finanzierungsvorschläge zu machen. Eigentlich muss man sich um einen Deckungsvorschlag keine Sorgen machen. Wenn ganz Deutschland umbucht, um die Hellenen zu retten und die leeren Kassen des Finanzministers noch leerer fegen, hat Deutschland immer noch die Möglichkeit, unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen. Und da Deutschland, wie man weiß, diesen Schirm zum großen Teil finanziert, würde dieses Geld auf wundersame Weise zurückfließen - zu uns, wo es hergekommen ist. Das wäre dann Win-Win-Win-Win-Win. Fünf auf einen Streich!

Genial. Um das nachzurechnen, gehe ich jetzt zu Horst ins Sportlereck und beruhige mich bei einem kühlen Blonden. Mal sehen, vielleicht hat dort noch jemand eine Schnapsidee oder ich kann Horst dazu überreden, seinen Laden für drei Wochen dichtzumachen und mitzukommen. Nach Griechenland die Griechen retten. Und den Euro. Jorge Chatzimarkakis sei Dank, und dem Sommerloch. Immer nur Nessi wäre doch zu langweilig.