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Trompeter Ludwig Güttler und Organist Friedrich Kircheis eröffneten die Magdeburger Domfestspiele Güttler und Orgel - ein perfektes Paar

Von Rolf-Dietmar Schmidt 01.06.2013, 01:11

Magdeburg. In zwei Wochen wird Ludwig Güttler 70 Jahre alt. Doch an Ruhestand denkt der weltberühmte Trompeter noch lange nicht. Mit einem ausverkauften Konzert eröffnete er die Magdeburger Domfestspiele.

Der Dom war bis auf den letzten Platz ausverkauft, von dem aus man den berühmten Virtuosen sehen und hören konnte. An seiner Seite hoch oben auf der Orgelgalerie spielte Friedrich Kircheis das noch recht neue, von den Ausmaßen und der Klangfülle beeindruckende Instrument. Und er zog im wahrsten Sinn des Wortes alle Register, ist er doch nach dem Bekenntnis von Ludwig Güttler sein Lieblingsbegleiter auf der Orgel.

Als der dann die Trompete oder das Corno da caccia erklingen ließ, hielten viele Zuhörer im Dom den Atem an. Glockenklar senkte sich der Ton aus der Höhe, füllte den gesamten gewaltigen Raum, um sich dann beeindruckend voluminös auf die Zuhörer abzusenken. Noch Sekunden nach dem Absetzen klang der Ton sich allmählich auflösend nach. Schon allein diese Kombination aus der klanglichen Gewalt der Orgel und der fast schwebenden Tonalität des Blasinstrumentes erzeugte zusammen mit dem räumlichen Eindruck des Kirchschiffs "Gänsehaut"-Gefühl.

Bis Oktober noch 40 Konzerte

Dieses Eröffnungskonzert war ein würdiger Auftakt für die Domfestspiele, den Ludwig Güttler auch hinterher, beim geduldigen Autogramme schreiben, sichtlich gelöst und fröhlich genoss. Und genau so hatte er auch das Programm des Abends angelegt. Dietrich Buxtehude, Jean Baptist Loeillet, Johann Gottfried Walther, Pavel Josef Vejvanowský, Johann Ludwig Krebs, und natürlich Johann Sebastian Bach sowie zum Abschluss Henry Purcell. Man merkt dem fast 70-Jährigen die Belastungen der vielen Konzerte an verschiedenen Orten nicht an. Immerhin stehen von Ende Mai bis Oktober allein 40 Konzerte im In- und Ausland auf seinem Programm. Auffällig dabei, dass er vor allem Kirchen in Ostdeutschland präferiert.

Güttler hat sich große Verdienste um die Dresdner Frauenkirche erworben, aber war ebenso kreativ bei der Entwicklung der Corno da caccia. Das Blechblasinstrument gehört eigentlich zur Gruppe der Hörner, wurde mehr oder minder im Laufe von Jahrhunderten umfunktioniert und schließlich unter anderem von Güttler wiederbelebt.

Spielweise in Perfektion

Der ganz eigene Klang und die der Trompete entlehnte Spielweise hat Güttler zur Perfektion getrieben, was er in den Choralvorspielen von Johann Ludwig Krebs "O Gott, du frommer Gott" und dem unvergleichlichen "Wachet auf ruft uns die Stimme" eindrucksvoll unter Beweis stellte. Der Trompetenvirtuose Güttler und der Organist Friedrich Kircheis haben sich gesucht und gefunden. Beide sind perfekt aufeinander abgestimmt, sowohl musikalisch als auch in der Außendarstellung. Während Kircheis den überragenden, aber bescheidenen Kantor vermittelt, ist Ludwig Güttler der strahlende Stern. Musikalisch ergänzen sie sich hervorragend, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass beide seit 1979 fast ausnahmslos gemeinsam Orgel- und Trompetenkonzerte geben.