Magdeburg/Dessau l Als das Bauhaus in den 1920er Jahren von Weimar nach Dessau zog, erlebte die Hochschule ihre Blütezeit. Dessau stand und steht bis heute für den Aufbruch in die Moderne. Doch deren Geist wurde weiter durchs Land getragen. „Große Pläne!“, ein landesweites Ausstellungsprojekt 2016, sensibilisierte bereits für diese Geschichte voller Aufbruchstimmung, visionärer Pläne und radikaler Ansätze nach Zerstörung und Barbarei im Ersten Weltkrieg.

Zum Jubiläum 2019 wird noch viel mehr gepowert. Bauhaus allerorten. Vor allem auch in Sachsen-Anhalt. 39 Orte und Bauwerke der Moderne erinnern im Land auf sehr verschiedene Weise an die Gründung der weltweit geschätzten Hochschule vor einem Jahrhundert. Das Landesprogramm zum Jubiläum mit den Schwerpunkten Dessau, Magdeburg und Halle wurde gestern in der Staatskanzlei vorgestellt. Von 2017 bis 2020 lässt sich das Land seine Aktivitäten 18,5 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen noch weitere 12,5 Millionen – die Hälfte der veranschlagten Summe für den 25 Millionen teuren Museumsbau in Dessau. Dort will die Stiftung Bauhaus Dessau ab 2019 ihre Sammlungen präsentieren. Auf ein konkretes Datum legt sich deren Direktorin Claudia Perren nicht fest. Gestern in der Staatskanzlei sprach sie lediglich von Herbst.

Was ist geplant 2019? Perren wie auch Vertreter der Städte Dessau, Magdeburg und Halle gaben einen Überblick.

Stiftung Bauhaus Dessau

Schwerpunkte zum Jubiläum sind neben der Eröffnung des Museums, das zukünftig mit der Präsentation des Sammlungsbestandes den Alltag an der Hochschule erzählen soll, drei internationale Festivals. Thematisch beschäftigen sie sich mit Schule (20. bis 24. März 2019), Architektur (31. Mai bis 2. Juni 2019) und Bühne (11. bis 15. September). Als Kooperation mit dem Anhaltischen Theater Dessau wird die Farboper „Violett“ von Kandinsky uraufgeführt. Zudem werden die Bauten der Bauhäusler erstmals als eine gemeinsame Ausstellung kuratiert (ab Januar 2019).

Die Stadt Dessau

Im März startet die Freiraum-Ausstellung „Unbekannte Orte“, die bis November über 15 Stationen in die 1920er Jahre führen soll. Einen Monat später wird das ebenfalls in der Stadt angesiedelte Projekt „Passagen“ eröffnet. Inszeniert wird die Verbindung von Bauhaus und Stadt durch Installationen.

Magdeburg

Magdeburg setzt auf die Reformstadt der Moderne. Kulturbeigeordneter Matthias Puhle unterstrich, dass mit dem Amtsantritt von Hermann Beims der Anspruch da war, die ganze Stadt zu erneuern. „Magdeburg hat eine eigene Moderne entwickelt“, so Puhle. Was sie ausmachte, das soll in mehreren Ausstellungen erzählt werden. Das Kulturhistorische Museum beleuchtet Magdeburg als Reformstadt, das Puppentheater blickt auf Neuerungen im Puppenspiel zurück, der IBA-Shop zeigt die Siedlungen der Magdeburger Moderne, das Technikmuseum Meilensteine der Magdeburger Luftfahrt und das Literaturhaus den Dramatiker Georg Kaiser.

Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen schaut mit Fotografien auf die Auswirkungen von 100 Jahren Bauhaus. Auf zwei Ausstellungen setzt das Forum Gestaltung. Das Haus, einst Sitz der Kunstgewerbeschule Magdeburg, schaut nicht nur auf den Designer Stefan Wewerka, sondern plant auch eine erste ständige Ausstellung zur Geschichte der einst renommierten Einrichtung.

Halle

Die Saalestadt wirbt mit 40 Orten der Moderne und blickt mit ihren Veranstaltungen auf Kunst, Architektur, Lebensstil. Geplant sind Konzerte, Theater, Lesungen, zeitgenössische Kunstaktionen und Wissenschaftsveranstaltungen. Halles Kulturbeigeordnete Judith Marquardt kündigte zudem zahlreiche Sonderausstellungen an, unter anderem im Technischen Halloren- und Salinemuseum, in den Franckeschen Stiftungen und im Stadtmuseum. Im Kunstmuseum Moritzburg und im Kunstverein Talstraße e. V. werden mehrere Ausstellungen zu sehen sein.