Magdeburg l Moderne Spielplätze werden immer häufiger aufgepeppt. Es gibt Burgen, begehbare Saurier, Raumschiffe, U-Boote, nichts, was an den schnöden Kletterpilz der eigenen Kindheit erinnert. Wie es im Inneren einer solchen bekletterbaren Attraktion ausschaut, bleibt – zumindest Erwachsenen – meistens verborgen.

In welche fantastische Welten Kinder damit reisen, zeigt jetzt die ebenso lustige wie poetische Stückentwicklung von Marlis Hirche und Oliver Dassing. Die beiden, auch als freies Berliner Theater „Die Pyromantiker“ bekannt, sind mit etlichen Preisen geehrte Spezialisten für Kindertheater. Das beweisen sie einmal mehr in Magdeburg.

Eine Rakete auf der Bühne

Eine riesige Rakete (Bühne und Kostüme: Klemens Kühn) beherrscht das Bühnenrund, Mittelpunkt eines Spielplatzes, auf dem sich Emma, Friedhelm und Max treffen. Schnell freunden sich die Kinder an und erobern die geheimnisvoll blinkende Rakete, die sich als sehr geheimnisvoller Zauberkasten entpuppt. Doch zuerst müssen sie sich trauen. Das ist gar nicht so einfach.

Mit wenig Text und dafür umso intensiverem Spiel mit clownesken Einlagen der drei glänzend aufeinander eingestellten Darsteller werden die drei Helden präzise in wenigen Strichen gezeichnet. Emma in schrill-gelbem Tüll mit Puppenwagen, aus dem dann mal eben nötiges Werkzeug gekramt wird, der vorsichtige Friedhelm in Rüschenkragen, Strickjacke und Helm, und schließlich der coole Draufgänger und Ballkünstler Max, der unter den schreckgeweiteten Augen der anderen als erster die Rakete besteigt.

Viele Szenen und Action

Hircher und Dassing dehnen die Spannung, lassen Max (Richard Baborka) minutenlang die geheimnisvolle Rakete erkunden, und die zahlreichen Knirpse, die sich heutzutage angeblich nicht mehr konzentrieren können und sich nur noch mit Action und schnellen Szenenwechseln bei der Stange halten lassen, fiebern im Saal mit bis zum Schreckensschrei des Darstellers, der sich sofort ins Publikum überträgt. Großartig!

Einer nach dem anderen überwindet seine Angst, klettert in die Rakete und wird mit einer fulminanten Entdeckungsreise belohnt. Denn die magische Rakete hat es in sich: Die imaginäre Schaltzentrale im Innern bringt die Kinder überall hin. Und jetzt wird zum Vergnügen der Knirpse, aber auch der Großen tief in die Theater-Zauberkiste gegriffen.

Groß wird in Klein verwandelt, Max zum pinkzotteligen Monster, Aliens schweben vorbei, es gibt Szenen unter Wasser, der natürlich nicht ausbleibende Streit der Kinder wird mit dem klassischen Kasper und dem Teufel per Handpuppe ausgetragen. Und natürlich hebt die Rakete schließlich ab und fliegt mit den Kindern zum Mond. Alles begleitet von einem wunderbar stimmigen filmartigen Soundtrack von Andres Böhmer, den das Puppentheater erneut verpflichten konnte.

Wandkungsfähige Darsteller

Das Regieteam hat mit Linda Mattern, Richard Baborka und Kaspar Weith drei wandlungsfähige Darsteller zur Verfügung, die die Kinder in sich rauslassen dürfen. Köstlich, wenn Linda Matterns Emma sich mit diabolischem Grinsen die Schaltknöpfe der Rakete erobert, Richard Baborka als Mutigster der drei sich am Ende am schnellsten vor der riesigen behaarten Spinne auf die Spitze der Rakete flüchtet und Kaspar Weith als behütetes Mama-Kind sich zum Schluss als der Furchtloseste erweist.

„Die fabelhaften Drei“ sind für Kinder ab 4 Jahren empfohlen, amüsieren und vor allem wiedererkennen kann sich aber die ganze Familie.

Weitere Vorstellungen am Mittwoch, 15. Mai, Donnerstag, 16. Mai, Freitag, 17. Mai, und Montag, 20. Mai jeweils um 9 und 10.30 Uhr.