Magdeburg l Auf einem verlassenen Industriegelände wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Waden der toten Kim Puhlmann sind auf besondere Weise gefesselt. Die Hauptkommissare Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke) suchen nach vergleichbaren Fällen und werden schnell fündig. 2012 wurde die Leiche der Prostituierten Jessika Peschke ebenfalls mit gefesselten Beinen gefunden.

Der damalige Hauptverdächtige musste nach einer Woche U-Haft wieder entlassen werden. Und so befragen die Ermittler als Erstes diese Pauline Schilling (Alessija Lause), die einst Paul Schilling war und sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte. Wie sich herausstellt, kannte sie auch die jetzt gefundene Tote.

Schroff und kratzbürstig muss er sein

Doch Schilling bleibt in diesem „Polizeiruf“ nicht die einzige Verdächtige. Da ist auch noch der Ex-Freund der Toten, der mal in der geschlossenen Psychiatrie war und nun in einem heruntergekommenen Haus mit seinem an ein düsteres Gefängnis erinnernden Keller wohnt. Brasch vermutet, dass dieser aggressiv daherkommende Jan Freise (Sven Schelker), der von Psychopharmaka abhängig ist, das Mordopfer gefangen gehalten haben könnte. Ihr Alleingang im Haus aber schadet den Ermittlungen. „Ich habe Scheiße gebaut“, sagt sie in der ihr eigenen ehrlichen Art. „Dann sind wir ja schon zwei“, antwortet ihr Ermittler-Partner.

Die beiden sind schon im zuletzt ausgestrahlten Fall „Crash“ um illegale Autorennen und einen tödlichen Unfall stärker zu einem Team gewachsen. Da hatte bereits Wolfgang Stauch das Drehbuch geschrieben, jetzt nimmt der Berliner Autor erneut Fahrt aus der Schroffheit und der Kratzbürstigkeit im gegenseitigen Umgang. Das tut der Folge, für die sich Stauch einer Vorlage von Martin Douven bedient, ausgesprochen gut. Brasch ist nicht mehr so raubeinig. Claudia Michelsen als Brasch ist schauspielerisch schließlich besonders stark und authentisch, wenn sie Gefühle zeigen darf. Und das darf sie hinreichend. Sie ist es, die sich für die Blumenverkäuferin Pauline viel Zeit nimmt und Zugang zu deren zerrissenem Seelenleben findet. Brasch ist es auch, die den einst zuständigen Ermittler im Mordfall der Prostituierten Jessika aufsucht. Dieser Ulf Meier (André Jung) erzählt von damaligen Verfahrensfehlern und einem von Polizisten erpressten Geständnis. Es ging um Misshandlungen im Revier. Meier war degradiert worden. Nun bildet er an der Polizeischule aus. Die bleibt fiktiv im Film, aber an der Schule in Aschersleben wird man diese Strafversetzung garantiert nicht mit Wohlgefallen aufnehmen.

Story gut und schlüssig erzählt

Einschalten lohnt sich. Die Story ist klug und schlüssig erzählt. Zudem gibt die Rolle der Pauline Schilling Einblicke in das Seelenleben von Transsexuellen. In Rückblenden wird vom Fremdsein im eigenen Körper erzählt. Regisseur Torsten C. Fischer, der in zahlreichen Krimis, darunter „Tatort“, „Bella Block“ und „Spreewaldkrimi“, Regie führte, zweimal mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, hatte schon im Vorgänger-Polizeiruf „Crash“ den Hut auf. Da ließ er das Filmgeschehen zu großen Teilen nachts stattfinden. Dieses Mal setzt er Theo Bierkens mit der Kamera mehrfach auf eine Art Beobachtungsposten und bringt den Zuschauer in eine Gaffer-Position.

Zum Schluss atmet Brasch auf, weil Kriminalrat Uwe Lemp (Felix Vörtler) sein Versetzungsgesuch doch nicht unterschreibt. Er bleibt an ihrer Seite, im Gegensatz zu Matschke, der nur noch einmal mit ihr ermitteln wird. Schade, jetzt, wo es kollegialer wird.

„Zehn Rosen“ wird Sonntag ab 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Wiederholungen: 21.45 Uhr und 23.45 Uhr auf One sowie am 12. Februar um 0.50 Uhr in der ARD.