Kiel (dpa) l In den meisten Krimis erfährt der Zuschauer erst zum Schluss, wer der Mörder ist. In „Borowski und das Glück der Anderen“ ist das am Sonntag, 3. März, um 20.15 Uhr im Tatort-Krimi anders. Mit sieben Schüssen wird ein smarter, gut aussehender Mann in Designerklamotten in seiner Villa erschossen, er spuckt Blut in Fontänen, bevor er stirbt. Die Kamera zeigt, wie Peggy schießt. Sie ist die Nachbarin, wohnt gegenüber, Kassiererin von Beruf – und aus Neid in die Villa eingebrochen, auf der Suche nach dem Jackpot-Los, das 14,2 Millionen Euro Gewinn bedeutet.

„Die Spannung entsteht nicht durch die Suche nach dem Mörder, sondern sie liegt in der Betrachtung des Umfelds und der menschlichen Schicksale“, sagt Regisseur Andreas Kleinert in einem Interview. Der Krimi zeigt zum Anfang einen Blick von oben auf die adrette Wohnsiedlung, um sich dann dem Schicksal der Menschen zu nähern. In ihrem Zuhause dreht Kassiererin Peggy (ausdrucksstark Katrin Wichmann) durch. Mit einem Benzin-Rasenmäher fährt die Berserkerin durch ihr Wohnzimmer und zerstört es – wie zuvor ihr Leben und ihr kleines Glück, das sie zuletzt nicht mehr so empfunden hatte.

Im Gegensatz zum Zuschauer kennen Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine junge Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) nicht die Hintergründe des Verbrechens. Milberg mimt Borowski wie eh und je mit lakonischem Humor, großer Ermittlererfahrung und zaudernd. Bagriacik übernimmt den Gegenpart – impulsiv, voreilig und zupackend. Das Ermittlerduo spielt sich in seiner zweiten „Tatort“-Episode immer besser aufeinander ein.

Skurrile, überzeichnete Szenen mit schwarzem Humor prägen diesen „Tatort“ in der für Regisseur Kleinert, der schon vier Mal den Adolf-Grimme-Preis erhielt, typischen Filmsprache. Etwa wenn Borowski die Erschießungsszene mit der Gerichtsmedizinerin mit aberwitzigen Dialogen nachspielt – und daneben auf dem Obduktionstisch die Leiche liegt, mit Pfeilen, die aus jedem Einschussloch ragen.