Magdeburg l Konzerte an ungewöhnlichen Orten hat Johannes Oerding schon einige hingelegt. Auf dem Brocken hat der Popsänger gespielt, mit Peter Maffay ist er auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary II aufgetreten. Dass sein Gig am Samstagabend in Magdeburg auch für den 37-Jährigen ein ganz besonderer ist, wird kurz nach Beginn des Konzertes klar. In einem Zoo sei er nun wirklich noch nie auf die Bühne getreten: „Eine richtige Dschungelbuch-Atmosphäre. Nebenan die Erdmännchen, hinter uns die Tiger und durch den Backstage-Bereich ist gerade ein Zebra gelaufen“, verkündet Oerding vor 4000 gutgelaunten Zuschauern in Magdeburg.

Die haben – gerade bei Oerdings Ansagen zwischendurch – viel zu lachen. Und sind ohnehin schon aus dem Häuschen, weil der Popsänger pünktlich um acht Uhr mit dem Titel "Leuchtschrift" in das Konzert gestartet war. Die Bühne in blaues Licht getaucht. Oerding, mit Gitarre, schwarz gekleidet, mit dem unverkennbaren Bowler auf dem Kopf, begrüßt „Machdeburch“. Er habe seit den vergangenen Konzerten in Sachen Aussprache dazugelernt, verkündet er mit schelmischem Grinsen. Spätestens an diesem Punkt dürfte der Singer-Song-Writer mit der Gänsehaut-Stimme das Publikum auf seiner Seite haben. Der Jubel ist laut.

Gleich in der ersten Reihe stehen die Fans, die dem gebürtigen Rheinländer vollends ergeben sind. Nadine Dorst ist aus Oberhausen angereist. Rund 170 Oerding-Konzerte hat sie gesehen. Den Deutschpop-Künstler liebe sie für seine Natürlichkeit, seinen Humor und – natürlich – wegen der super Musik, sagt sie. Daneben steht Henriette Bollmann (13). Sie ist mit ihrer Mutter Daniela aus Merseburg nach Magdeburg gekommen. Zu Hause sitzen sie gern zusammen auf der Couch und trällern die mal mit kraftvoller, mal rauchiger, mitunter mit zerbrechlich wirkender Stimme gesungenen Oerding-Hits mit. In Magdeburg warten beide auf das Lied „An guten Tagen“. Zusammen mit „K.o.“ einer von zwei Titeln, die Oerding von seinem noch unveröffentlichten sechsten Album spielt.

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Überhaupt hat der 37-Jährige für sein Publikum einige Finessen vorbereitet. Passend zum noch immer milden Sommertag und dem unvergleichlichen Setting im Zoo intoniert er mit souliger Stimme den Dschungelbuch-Klassiker „Ich wär‘ so gern wie Du“ (Oh dubidu, ich wäre gern so wie duhuhu ...). Später covert er mit überragender Stimme Whitney Houstons Hit „I will always love you“. Angeblich, wie er sagt, um mit den hohen Tönen einen ausgebrochenen Tiger in Schach zu halten. Von dem ist nach der Einlage glücklicherweise weit und breit nichts zu sehen.

Weiter geht‘s mit „Hundert Leben“ vom letzten Album „Kreise“, bei dem Oerding die Zuhörer auf eine etwas wehmütige Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Im nächsten Titel spielt wieder ein Tier die Hauptrolle. Beim Protest-Song „Weiße Tauben“ reckt ein am Rande stehendes Pärchen aus Bremerhaven eine weiße Taube aus Pappe in die Höhe. „Wir finden den Song so stark und sind Fans, seit wir ihn das erste Mal gehört haben“, sagen sie.

Was in diesen Minuten bei den Giraffen im Magdeburger Zoo passiert, erfährt auch Oerding erst nach dem Auftritt. Giraffenkuh Shani hat überraschend ein Kalb zur Welt gebracht. Ein Tierarzt findet es nach dem Konzert auf der Außenanlage nahe dem Giraffenhaus. Erst kürzlich war Shanis Mutter Femke auf tragische Weise gestorben. Ein glücklicher Zoo-Direktor Kai Perret verkündete am Sonntag: „Das Giraffenbaby könnte Johannes oder Johanna heißen." Die Patenschaft könnte Johannes Oerding übernehmen.

Der Namenspatron in spe heizt derweil am Sonnabend um kurz vor zehn mit „An guten Tagen“ den Massen noch mal ein. Am Schluss gibt‘s noch den Dank an das bestens aufgelegte und heftig applaudierende Magdeburger Publikum – und für die Tiere: „Ich möchte mich beim Zoo und bei den Tieren bedanken, dass sie nicht die Polizei gerufen haben.“