Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Er ist der Lieblingsküsser der Klasse, der große Schmaltz, und er wird auch eine Schulstunde lang jede Gelegenheit dazu ausnutzen. Auf dem Stundenplan nämlich steht das Märchen Aschenputtel, das die Schüler in fünf Akten spielen werden, und die vier Schüler und Lehrer Dr. Sinn verwandeln sich in "Die Aschenputtler".

Sehr zum Leidwesen des gestrengen Doktors verwandeln sich die Schüler aber allesamt in richtige Klassenclowns, die nicht nur küssen, wann immer das Märchen es erlaubt, sondern auch mit allerlei anderem Quatsch richtiges Chaos erzeugen.

Vorgeführt wurde die Clownerie am Mittwochnachmittag im Obergeschoss des Magdeburger City Carrés vom Hallenser Theater Varomodi. Die Gruppe, einst aus dem Hallenser Studententheater hervorgegangen, spielt als freies Projekttheater in wechselnden Besetzungen und ist eine der neun Theatergruppen, die dieser Tage zum Neuland-Festival an verschiedenen Orten der Stadt Magdeburg ihr Publikum suchen und finden. Varomodi fand im Einkaufszentrum ein Publikum, ziemlich zahlreich sogar, allerdings etwas klein. Dort nämlich vor dem Spielladen und bei dem Titel des Stücks erwarteten diverse Einkäuferfamilien ein Kindermärchen.

Das Stück aber ist kein Kinderstück für Kleine. Es stammt von dem Zeichner, Karikaturisten (Titanic-Mitbegründer) Cartoonisten, Kinderbuchautor (Anti-Struwwelpeter) und Stückeschreiber Friedrich Karl Wächter von der Neuen Frankfurter Schule.

"Die Aschenputtler" ist ein ziemlich derbes Stück, und die Regisseurin Anna Siegmund-Schultze hat es auch derb und laut inszeniert. Uwe Steinbrecher und Jan-Felix Fränkel als Wiesel und Quaste, Stephan Werschke als Karfunkel, Martin Kreusch als Schmaltz sowie Heinz Barth als Lehrer Dr. Sinn spielen sehr schnell, sehr körperbetont und auch ein bisschen akrobatisch. Sehr schön im Rhythmus wirkte das Spiel mitunter wie ein Tanz. Für die erwachsenen Zuhörer gibt es allerlei witzige Zwischentöne zu entdecken, für die Kinder auch lustige Späße, eben Clownerien und Wortspielereien, aber auch zu viele erotische Anspielungen und drastische Bilder, die kleine Kinder verschrecken mussten.

So konnte die etwa einstündige Vorstellung an der Stelle nur geteilten Erfolg haben, und es zeigte sich, dass es wirklich Neuland ist, das die Organisatoren mit ihrer Festivalplanung betreten haben. An anderen Stellen stimmten Ort und Publikumszuspruch ungeteilt. Das Interesse an solch beweglichem und freiem Spiel ist jedoch auch trotz einiger Reibungen im City Carré deutlich geworden und sollte zum Weiterspielen ermutigen.