Das Magdeburger Theater hat die Erstaufführungsrechte für Andrew Lloyd Webbers Musical "Sunset Boulevard" an einem deutschen Stadttheater bekommen. Die Rolle des Stummfilmstars Norma Desmond übernimmt die Dänin Marianne Larsen. Grit Warnat hat mit der Musicaldiva vor der Premiere (13. November, 19.30 Uhr) gesprochen.

Volksstimme: Frau Larsen, Sie gehören zum Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz München und sind jetzt das erste Mal in Magdeburg. Wie gefällt Ihnen die Arbeit am Haus?

Marianne Larsen: Sehr gut. Die Arbeit macht viel Spaß, die Rolle fordert aber auch unglaublich.

Volksstimme: Norma Desmond ist eine tragische, gebrochene Figur. Liegt Ihnen diese Rolle?

Larsen: Wenn ich eine Rolle annehme, dann gehe ich ihr natürlich entgegen. Also stelle ich mir diese Frage nicht, weil jedes Mal, egal welche Rolle ich annehme, ich mich damit auf eine Suche begebe. Aber wenn Sie meinen, ob ich auch so bin, sage ich ganz klar nein.

Volksstimme: Kannten Sie das Musical schon?

Larsen: Ja, ich finde es ganz toll. Vor zwei Jahren habe ich die Inszenierung in London gesehen und war begeistert. Ich habe gedacht, einmal Norma Desmond sein, das würde mich kitzeln.

Volksstimme: Das hört sich nach Traumrolle an?

Larsen: Oh ja, diese Rolle ist für jede Frau meines Alters eine Traumpartie.

Volksstimme: Haben Sie überlegt, diese Rolle in Magdeburg anzunehmen?

Larsen: Da musste ich wirklich nicht überlegen. Ich habe dafür sogar das erste Mal seit 20 Jahren vorgesungen, die Songs gelernt. Und ich finde es schön, dieses Stück an einem Stadttheater zu machen. Das ist mir näher als diese großen Produktionen.

Volksstimme: Was reizt Sie an Norma Desmond?

Larsen: Mich reizt diese Tiefe in der Person, sie ist eine so komplexe Frau, und mich reizt sehr kennenzulernen, was psychisch mit ihr los ist. Das ist für mich als Künstlerin eine sehr spannende Reise.

Volksstimme: Wie haben Sie sich auf die Proben vorbereitet?

Larsen: Ich habe Psychologiebücher und Krimis gelesen, obwohl ich keine Krimileserin bin. Ich wollte die Gefühle ergründen, die eine Frau dazu treiben, so etwas Abspenstiges zu tun wie jemanden zu erschießen.

Volksstimme: Haben Sie Billy Wilders Film "Sunset Boulevard" gesehen?

"Der Regisseur kanalisiert mich, bändigt mich"

Larsen: Ich kenne den Film. Aber ich habe jetzt extra alles gemieden, was mit dem Film zu tun hat. Ich wollte überhaupt nichts über Gloria Swanson (spielte die Norma Desmond in dem Film, d. R.) wissen. Ich habe vielmehr Stummfilme angeschaut, um hauptsächlich die Bewegungsmuster der Figuren zu erforschen. Denn für einige Szenen muss ich sozusagen mein Untergestell abschneiden, ich darf nicht mit den Hüften arbeiten. Das ist schon sehr unnormal für Theater. Und auch was Neues für mich.

Volksstimme: Ist Norma Desmond eine kraftraubende Rolle?

Larsen: Total. Es ist nicht nur das Singen und Sprechen so anstrengend. Ich habe das Gefühl, man ist die ganze Zeit am Ausbluten. Regisseur Stefan Huber, auch ein Grund, weshalb ich diese Rolle angenommen habe, kanalisiert mich, bändigt mich. Wenn man sich sechs Wochen intensiv mit solch einer Rolle beschäftigt, verliert man ein realistisches Verhältnis zu sich selbst und zum Kraftpotenzial in einer Rolle. Ich werde nicht heimgesucht von Egomanie, Hysterie, aber ich muss sie jetzt kennenlernen. Da wird der Regisseur ein wichtiger Partner.

Volksstimme: Sind Sie ein emotionaler Mensch?

Larsen: Ja, natürlich. Ohne die Begegnung der Emotionen kann man dieses Stück nicht glaubhaft rüberbringen.

Volksstimme: Sie haben einen eng gestrickten Terminkalender. An ihrem Theater in München spielen Sie Oper, Operette, Musical. Woran hängt Ihr Herz am stärksten?

Larsen: Ich habe fünf Jahre ausschließlich Oper gemacht, dann fing es an, mich zu langweilen und ich habe die Bandbreite gesucht. Mich interessieren Schauspiel, Musical, Operette.

Volksstimme: Könnten Sie sich vorstellen, mal wieder für eine Musicalproduktion nach Magdeburg zu kommen?

Larsen: Ja klar! Auf den ersten Blick dachte ich, München ist doch etwas schöner als Magdeburg. Aber jetzt habe ich Magdeburg kennengelernt. Und wirklich: Es ist eine schöne und spannende, interessante Stadt und eine grüne Stadt zum Abschalten. Ich fühle mich ausgesprochen wohl.

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In weiteren Rollen: Nikolaj Alexander Brucker als Joe Gillis, Norbert Lamla als Max von Mayerling und Milica Jovanovic als Betty Schaefer, weitere Vorstellungen: 21. und 25. November, 3., 18. und 29. Dezember.