Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Seit eineinhalb Jahren haben sich "Die Nachtschwärmer" das MS "Marco Polo" von der Schönebecker Reederei Süßenbach erobert und machen es mindestens einmal in der Woche, in der Weihnachtszeit aber fast jeden Tag zum Theaterschiff. Am Sonnabend hatte das neueste Weihnachtsspektakel auf der gut vierstündigen Elbfahrt seine Premiere.

Noch ehe Gehör und Lachmuskeln in Anspruch genommen werden, wird man durch die wirklich bemerkenswerte Kochkunst des Smutje ausgiebig verwöhnt.

So auf Fröhliches eingestimmt, schaltet Kapitän Sylvio Süßenbach die Schiffsdiesel auf Flüsterfahrt, und "Die Nachtschwärmer" übernehmen das Kommando im Salon. "Die Nachtschwärmer" sind Ulrike Nocker, Oliver Vogt und Matthias Krizek, die Musiktheater auf unterhaltsame Weise Parodistisch-Kabarettistisches bieten.

Die Weihnachtsspecials hat Krizek bereits mit Sing-Sang – Kling-Klang (mit Sabine Münz und Manfred Herbst u.a.) im "Waschfass" erprobt, aber auch Ulrike Nocker und Oliver Vogt sind vielseitige Musiker mit besonderer Vorliebe zum Jazz, die für Vergnügliches bekannt sind.

Als "Nachtschwärmer" mischen sie kräftig die Farben, und genau das gab dem neuen Theaterschiff-Weihnachtsspektakel seinen besonderen Reiz.

Natürlich beginnen Weihnachtsprogramme mit Weihnachtsliedern, hier sogar mit einem eigens für das Schiff geschriebenen A-cappella-Gesang und süßen Flötentönen. Aber sogleich durchsingen die Nachtschwärmer in einem sehr munteren Medley fast alle Höhen und Tiefen musikalischer Weihnachtskunst, das an eine wirbelige Karussellfahrt erinnert, bei der man an der Kirche genauso vorbeikommt wie am Kaufhaus und glühweingesättigtem Weihnachtsmarkt.

Aber die musikalische Reise wird sogleich unterbrochen, denn die Belegschaft erhält eine Voice-Mail (gesprochene Textnachricht), auf der zur Betriebsweihnachtsfeier geladen wird. Das Personalbüro in Gestalt von Tina Bartsch-Lewin teilt zunächst mit, dass alle ins Steak-Haus geladen sind. Die hoffnungsfrohe Ankündigung wird in der Folge immer aufs Neue konkretisiert werden, denn es tun sich Spezialwünsche auf. Für Vegetarier etwa wird ein besonderer Tisch an der Salatbar reserviert, Homosexuelle dürfen am Extratisch sitzen, müssen es aber nicht, für die türkischen Mitarbeiter wird das Vergnügen in Jahresendfeier umbenannt, bis die arme Personalmitarbeiterin ihre letzte Voice-Mail aus der psychiatrischen Klinik sendet, aber alle anderen sind sehr lustig.

Nocker, Vogt und Krizek sind in diesem Programm als Musiker und Sänger, aber auch als Spieler und Rezitatoren gefordert. Klassiker wie Loriots schwarzes Weihnachtsgedicht von der Förstersfrau oder Georg Kreislers "I hab ka Lust" in einer Variante von Oliver Kalkofe sowie allerlei freche Conferencen wie zum Beispiel eine sehr schöne über die Otto-Stadt oder eine große Anzahl von Schlagerparodien. Kaum ein Genre und kaum einer der großen Popmusik-Hits waren sicher vor den festfröhlichen Umdichtungen. Die schönen, teils tiefsinnigen, teils etwas derberen Texte stammen von Sabine Münz und Peter Hofmann, und für den flotten, sehr unterhaltsamen Programmablauf sorgte Regisseur Knut Müller-Ehrecke.

Am Premierenabend forderte das gewöhnliche Lampenfieber seinen Tribut. Manche Texte hakten noch ein wenig, was aber allerlei Improvisationskünste herausforderte. Auch dauerte es ein wenig, bis sich alle drei, besonders aber die etwas indisponierte Ulrike Nocker, ganz freigesungen hatten, was aber dem Vergnügen keinen Abbruch tat. Dieses Weihnachtsprogramm war trotzdem wirklich gelungen. Es ist stets amüsant und provoziert auch laute Lachsalven, ohne jemals flach oder klamottig zu sein. Es ist im besten Sinne fein ironisch, ohne sich ein ganzes Politkabarett anzumaßen, und sogar Nachdenkliches findet sich, ohne auch nur in die Nähe von Sentimentalischem zu kommen.