Das "Phantom der Oper" gehört zu den erfolgreichsten Musicals der Welt. Für den gebürtigen US-Amerikaner Ethan Freeman ist es die Paraderolle, sagt er im Gespräch mit Grit Warnat. Der 51-Jährige hat aber auch in zahlreichen anderen Musicals wie "Jekyll & Hyde", "Mozart", "Cats", "Robin Hood", "Dracula" und "Die 3 Musketiere" Erfolge gefeiert. Beim Gala-Konzert am 14. Januar in der Stadthalle Magdeburg ist er wieder das "Phantom der Oper".

Volksstimme: Herr Freeman, Sie standen 1988 zum ersten mal im "Phantom der Oper" auf der Musicalbühne. Wissen Sie, wie oft Sie die Hauptrolle seitdem gesungen haben?

Ethan Freeman: Etwas über eintausendmal.

Volksstimme: Wird man der Rolle nicht irgendwann überdrüssig?

Freeman: Nein. Die Rolle ist so intensiv und dramatisch und erfordert höchste Konzentration. Sie ist auch nicht leicht zu singen, so dass man sich denkt, es sei immer möglich und notwendig, sich zu steigern.

Volksstimme: Ist es Ihre Paraderolle?

Freeman: Ja. Mit dieser Rolle begann 1988 mein Erfolg, sie hat mich seitdem immer wieder begleitet und mir den Weg auch für viele andere, neue Aufgaben gebahnt.

Volksstimme: Das Buch von Gaston Leroux kam 1911 heraus. Es wurde mehrfach verfilmt, hatte als Musical Millionen Zuschauer. Es ist eines der meistgesehenen Bühnenwerke. Was macht es Ihrer Ansicht nach so beliebt?

"Viele Leute erkennen sich in dem Phantom"

Freeman: Ich denke, dass die meisten Menschen tief in sich das Gefühl haben, dass sie hässlich sind oder unakzeptabel in der Gesellschaft, auch wenn es objektiv gar nicht der Fall ist. Dass diese Person, die aus keinem eigenen Verschulden solch ein Schicksal erleidet und nach der Erlösung durch die Liebe sucht, eine sehr archetypische Figur für uns ist. Viele Leute erkennen sich in dem Phantom. Hinzu kommt, dass es auch schöne Musik und sehr unterhaltende Momente gibt.

Volksstimme: Sie waren das Phantom in Wien, Toronto, Essen, London. Haben Sie eine Lieblingsinszenierung?

Freeman: Nein, dafür ähneln sich die Produktionen zu stark. Die Bühnen sind verschieden, die Kollegen natürlich auch. Und man selbst verändert sich über die Jahre, man wächst, man reift, man emfindet anders.

Volksstimme: Es gibt verschiedene musikalische Phantom-Versionen. Die von Andrew Lloyd Webber ist die bekannteste. Welche Version werden Sie bei der Gala singen?

Freeman: Natürlich die von Lloyd Webber. Aber auch adaptierte Opern-Arien des englischen Theatermachers Ken Hill, interessante Stücke, mit denen das echte Phantom sozusagen vertraut gewesen sein könnte. Gesungen wird zur Gala auch eine Version von Maury Yeston, eine amerikanische operettenhafte Fassung, sowie Ausschnitte aus Lloyd Webbers "Love Never Dies", das derzeit nur in London gespielt wird und eine Weitererzählung der Phantom-Geschichte ist. Die Lieder aus dem Stück sind eine Erstaufführung in Deutschland.

Volksstimme: Sie stehen immer wieder auf anderen Bühnen und an der Seite anderer Kollegen. In Magdeburg wird Nastassja Kinski die Geschichte des Phantoms erzählen. Haben Sie mit ihr schon zusammengearbeitet?

Freeman: Bisher noch nicht. Wir haben uns vor anderthalb Jahren kennengelernt. Sie ist eine sehr sympathische Person, und ich freue mich auf diese Zusammenarbeit.

Volksstimme: Magdeburg ist Ihnen nicht unbekannt. Sie waren bei "Evita" zum Domplatz-Open-Air im Sommer der Juan Péron. Welche Erinnerungen haben Sie an Magdeburg?

Freeman: Ein sehr schönes Ensemble, ein sehr kollegiales Ensemblegefühl, eine gewaltige Kulisse. Ich habe in der Zeit auch die Stadt kennengelernt, mit dem Fluss und den Parks, dem Kontrast zwischen alt und neu. Für mich als Wessi-Ami war es schon sehr interessant, in das Leben einer ostdeutschen Stadt so eintauchen zu können.

Volksstimme: Sie haben in der Europapremiere von "Die Schöne und das Biest" gesungen. Das wird das Musical zum Domplatz-Open-Air im nächsten Jahr. Werden Sie in Magdeburg wieder mit dabei sein?

Freeman: Nein. Als zum Biest gewandelter junger Prinz auf der Bühne zu stehen, wäre für mich vielleicht etwas übertrieben. Aber ich mag das Musical sehr, es ist wunderschön. Mal sehen, vielleicht schaue ich es mir an.