Von Bernd Kurt Goetz

Magdeburg. Mit zwei Schnapszahlen geht es los – am 06.06.2002. Zum ersten Mal besucht Harald seinen Freund von nebenan öffentlich in der Volksstimme. Diese beiden Menschen müssen sich sehr gut und schon sehr lange kennen, bevor sie gemeinsam regelmäßig in die Kolumne geraten, denn Harald besitzt wenig Hemmungen, in Gegenwart seines Freundes Gefühle zu zeigen, und weint hemmungslos, weil im Supermarkt das Weißbier ausgegangen ist.

Wo existiert noch so viel Mut zu Gefühlen!? Harald ist ein Mensch, in dessen Fühlen und Denken sich die Themen und Moden des zeitgenössischen Lebens auf das Heftigste widerspiegeln, und bei dem hin und wieder der Zeitgeist nahezu selber einkehrt.

Haralds ständiger Gesprächspartner, der wunderbar verständnisvolle F.-René Braune, betrachtet viele Dinge eher mit einer pragmatischen Beherztheit und cooler Wortgewandtheit. Zur Belästigung durch den Zeitgeist bemerkt deshalb Braune: "Früher hatte man dafür Exorzisten."

Das ist eines der herausragenden Kennzeichen des Witzes von Braune: Er ordnet Dinge zueinander, deren Nebeneinander mehr als ungewöhnlich ist. Doch nur so geschehen auf der Erde Erfindungen und Entdeckungen.

Viele Menschen kennen F.-René Braune von Angesicht zu Angesicht – aus dem Leben oder auch aus der Volksstimme. Harald aber sah bisher noch niemand! Und wer den Harald auf der Bühne in der Magdeburger Zwickmühle erblickte, dem sei zugerufen: Sohn Danny Braune und selbst solche Größen wie Frank Hengstmann und Hans-Günther Pölitz sind nur Doubles in den fünf Harald-Programmen gewesen.

Keiner weiß, wie Harald mit Familiennamen heißt oder was er arbeitet. Okay, Braune ausgenommen. Die Persönlichkeit von Harald fügt sich zusammen aus dessen seelischen und geistigen Nöten und Höhenflügen. Aber was für ein herrlicher Mensch erwächst da vor unseren Augen, einer, der sich mit der Welt auseinandersetzt, nicht alles einfach akzeptiert, aber auch einer, der irrt und manches wörtlich nimmt, was man überhören sollte!

Das Phänomen Harald konterkariert den Trend, vor allem auf das Aussehen zu achten. Dieser Harald besitzt ausschließlich Innenleben. In wie vielen Bürgern entsteht da nicht zuweilen der Wunsch, noch mal den Partner zu wechseln, weil sie vor allem nach äußerlichen Attributen entschieden?

Wo sonst noch leben zwei Menschen wie Braune und sein Freund Harald, die sich die Zeit nehmen, Probleme von Leben und dessen Tollerei derart vielfältig und tiefsinnig zu erörtern? Und dann besitzt der eine noch die Zeit, dies aufzuschreiben!

Wir wissen, wo diese Freunde sich jeweils begegnen: zu Dannigkow. Doch sonst wissen wir wenig und das verführt zu Spekulationen. Ist denn Harald wirklich Harald und Braune Braune? Was, wenn seit Jahren Harald als Braune bei der Volksstimme arbeitet und Braune als Harald sich selbst besuchen kommt?

Sollte es so sein, dann würde man verstehen, wie der Braune den Harald mit dieser Bierruhe erträgt, denn es entlastet, jeweils für eine Weile die Last einem anderen aufzubürden. Auf diese Art können wir uns noch auf 100 weitere Kolumnen freuen, denn die Kräfte sind gut eingeteilt. Was Braune nicht schafft, schafft Harald. Und wenn Braune nicht mehr zuhören kann, macht das der Harald. Merken Sie etwas? Harald regt gnadenlos zum Fabulieren an! Man muss aufpassen, kein anderer Mensch zu werden. Danke, Herr Braune! Oder muss ich Harald zu Ihnen sagen?