Berlin ( dpa ). Manche sehen vor allem durch die Familie zu Guttenberg gegenwärtig eine gewisse " Renaissance des Adels " in Deutschland. Leicht getrübt wird der Glanz durch jüngste Auseinandersetzungen im Hause Bismarck (" Mein Sohn hat meine Frau durch die Terrassentür geschubst. ") samt Polizeieinsatz auf Schloss Friedrichsruh im Sachsenwald. Was übrigens kaum jemand weiß : Die Frau des Bundesverteidigungsministers, Stephanie zu Guttenberg, ist eine geborene von Bismarck.

Der vielleicht bekannteste Bismarck-Nachfahre der Nachkriegszeit wurde Klaus von Bismarck, WDR-Intendant und Präsident des Goethe-Instituts ; das aber wohl bekannteste Gesicht der Bismarcks im vergangenen Jahrhundert war wohl Gunilla von Bismarck, eine Tochter Otto II. von Bismarck und Mittelpunkt des internationalen Jetsets.

" Die Bismarcks – Eine preußische Familiensaga vom Mittelalter bis heute " heißt ein jetzt bei Siedler erschienener Band von Ernst und Achim Engelberg. Recht anschaulich und informativ unternimmt er einen historischen Streifzug durch die Familiengeschichte und Ahnenreihe bis in die Gegenwart des 1898 gestorbenen Reichsgründers Otto von Bismarck.

Er war wohl der bedeutendste deutsche Politiker des 19. Jahrhunderts, der " Beethoven der deutschen Politik ", wie er auch genannt wurde. " Auf der Negativseite seines Wirkens bleiben seine Feindschaft gegenüber allen demokratischen Kräften ", heißt es in dem Buch. Aber es erinnert auch an den meist nur unvollständig zitierten berühmten Ausspruch des " Blut- und Eisen-Politikers " Bismarck : " Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt ", der in der zweiten Hälfte heißt, " und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen lässt. "

Es ist ein Werk von Vater und Sohn. Der inzwischen 101-jährige Ernst Engelberg, renommierter Historiker in der damaligen DDR, hatte 1985 den viel beachteten und gleichzeitig in Ost und West erschienenen ersten Band seiner monumentalen, insgesamt fast 1600 Seiten umfassenden Biografie Otto von Bismarcks vorgelegt. Sie fand viel Beifall, es gab aber auch Kritik, wie von der " tageszeitung " ( taz ), die 1986 über den ersten Band mit dem Untertitel " Urpreuße und Reichsgründer " wetterte : " schlecht recherchiert, schlecht geschrieben und reaktionär ". 1990 folgte der zweite Band (" Das Reich in der Mitte Europas ").

Der Kommunist Engelberg, der in der NS-Zeit zeitweise im Zuchthaus saß und danach emigrierte – ein nach eigenem Bekunden ursprünglicher Bismarck-Gegner vor allem wegen der Sozialistengesetze – hatte sich bei seiner Arbeit vor allem auf die Person des Kanzlers ( Bundes- und Reichskanzlers ) konzentriert, dabei aber auch schon Entwürfe über die frühe Familiengeschichte und Ahnenreihe verfasst. Diese hat nun 20 Jahre später sein Sohn, der Publizist und Filmemacher Achim Engelberg, bearbeitet und zu Ende geführt. " So lege ich nun das letzte Buch meines Vaters zum Thema Bismarck in einer ergänzten und bearbeiteten Fassung vor ", wie der Sohn in seinem Nachwort betont.

Für Hilfestellungen dankt der Autor neben Angehörigen der Familie Bismarck unter anderen auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Pfarrer Friedrich Schorlemmer und dem Autor Ralph Giordano.

Die Engelbergs wollen bei aller Widersprüchlichkeit der Person des preußischen Monarchisten Bismarck das Klischee zumindest stellenweise korrigieren, der Kanzler wäre nur ein Reaktionär gewesen, innenund außenpolitisch. " Bismarck war adels- und preußenstolz, dennoch nüchterner Realpolitiker ", der Schiller und Shakespeare las und übrigens auch seine " depeschensicheren Plätze " im Sachsenwald schätzte und im Alter, von Amtsmüdigkeit geprägt, sagte : " Ich bin es müde, Schweine zu treiben. "

Ernst und Achim Engelberg : Die Bismarcks – Eine preußische Familiensaga vom Mittelalter bis heute, Siedler Verlag, München, 384 Seiten, 22, 95 Euro, ISBN 978-3-88680-971-4