Witzig, intelligent, kreativ, sozialkritisch. Das Weihnachtsmärchen "Die Bremer Stadtmusikanten" im Puppentheater Magdeburg verdient diese Attribute. Allerdings: Das Stück unter der Regie von Nis Sogaard ist eher erquicklich für Erwachsene.

Magdeburg l Die Adressaten - Kinder ab vier Jahren - dürften mitunter Schwierigkeiten haben, der modernen Inszenierung ihres guten alten Märchens zu folgen.

Die von Grimms aufgeschriebene Geschichte um Esel, Hund, Katze und Hahn birgt bereits in der Urfassung sozialkritischen Sprengstoff. Die armen Alten! Sie haben geackert bis zur Erschöpfung und werden jetzt eiskalt aussortiert. Statt Rente und Gnadenbrot gibt´s Fußtritt und Gnadenschuss. Der Gipfel: Menschen sind es, die das Leben tierischer Geschöpfe missachten! Da hilft nur Flucht und der gemeinsame Trip in die Freiheit.

Den Grimmschen Text hat Susanne Sogaard bearbeitet. Statt "Es war einmal ..." eröffnet das Stück mit einem Loblied auf Bremen. Vier schrill zurechtgemachte Menschen sagen etwas wie "Bremen - Stadt des großen Glücks." Hier könne jeder Esel Musik machen. E-Gitarrensound erklingt. "Hääää?", kommt es ratlos aus Kindermündern. Der Einstieg verwirrt eher als dass er die Kleinen atemlos ins Stück zieht.

Auf der von Franz Zauleck geschaffenen Bühne schieben sich hintereinander angeordnete bunte Wände hin und her. Sie sind Teil des Spiels, hinter ihnen verschwinden die Spieler samt Puppen, kommen wieder hervor, schauen aus Fenstern, Klappe auf, Klappe zu. Auf der Bühne ist immer Bewegung, niemals Langeweile.

Das Märchen gibt sich zu erkennen, als begonnen wird, von den vier Aussätzigen zu erzählen. Die vier Tiere treten "dreidimensional" auf und stellen die Fantasie der Kinder auf anspruchsvolle Proben. Eben noch geben die Puppenspieler Claudia Luise Bose, Anna Wiesmeier, Lennart Morgenstern und Stefan Wenzel schauspielerisch die Tiere, um dann nahtlos zu Handpuppen zu wechseln und später kleine Tierfiguren auftreten zu lassen. Jeder Handgriff sitzt, Spiel und Stimmen schaffen Lebendigkeit.

Ideenreich sind die Schicksale der armen Gesellen in Szene gesetzt. Des (Pack-)Esels Qual betont die immer schneller werdende Musik "Es klappert die Mühle ..." Was für eine Tretmühle! Überhaupt prägt Musik das Stück. Der Esel avanciert mit seiner E-Gitarre zum Stadtmusikanten Nummer 1. Vergnügen bereitet die Verfolgungsjagd, an der Jäger, Hund und Fuchs beteiligt sind. Köstlich, die Katze, die sich von der Maus "Oh mein liebes Kätzchen" zur Melodie vom Musical-Hit "Memory" vorpiepsen lässt.

Die Katze bekommt den ersten Preis im von Puppenbauerin Laura Sanwald geschaffenen Ensemble, dicht gefolgt von Hund und Hahn. Letzterer hat in einer sehr witzigen Kochtopfszene im Stile einer Brutzel-TV-Show seinen Auftritt. Der Clou, abweichend von der Grimmschen Vorlage: Die Räuberbande, die das Vierergespann dank seiner berühmten Formation verjagt, sind ihre ehemaligen bösen Herren. Das ist der kluge sozialkritische Hieb aus Erwachsenensicht: Weg mit den Ausbeutern!

Die gehen dann auch gleich nach Bremen und bilden die Combo "Die Räuber". Das ist sehr originell (auch aus Erwachsenensicht), die Kinder haben allerdings Mühe, im vergeblichen Warten auf richtige wilde Räuber auf den sozialkritischen Trichter zu kommen.

Doch am Ende gibt es versöhnlichen lauten Beifall von allen Altersgruppen.