Magdeburg/Berlin l Das Rampenlicht ist eher selten für Christoph Bouet. Der Magdeburger Künstler ist meist draußen unterwegs, um unter freiem Himmel Landschaft und Natur auf sich wirken zu lassen, ebenso die sich ständig ändernden Licht- und Schattenverhältnisse. Wie es einst die Impressionisten mit Pinsel und Staffelei in die Natur zog, entstehen auch die Arbeiten des 45-jährigen Malers im Freien.

Für einen Auftrag aus Berlin aber machte er eine Ausnahme. Bouet malte Joachim Gauck. Er ist der 117. Ehrenbürger – wie vor ihm Marlene Dietrich, Wolf Biermann und Michail Gorbatschow.

Gestern wurde das Gauck-Gemälde im Festsaal des Abgeordnetenhauses feierlich enthüllt. Bouet saß neben dem ehemaligen Bundespräsidenten. Danach gab es noch ein gemeinsames Mittagessen.

Ein Video diente als Vorlage

Mit ihrer Ehrenbürgerschaft ehrt die Bundeshauptstadt Menschen, die sich „in hervorragender Weise um Berlin verdient gemacht“ haben. Wem das Ehrenbürgerrecht verliehen wird, erhält zum Beispiel das Recht auf ein Ehrengrab, und darf einen Künstler auswählen, der auf Kosten des Landes Berlin ein Bild von ihm malt. Das findet dann Platz in der Galerie der Ehrenbürger. Dort gibt es 54 Bilder. Jetzt auch einen Bouet.

Es war die Entscheidung von Gauck, der zuvor Arbeiten des Magdeburgers gesehen hatte. Eine Galerie in Berlin hatte vermittelt. Zudem gehört ein Bouet zur Sammlung des Deutschen Bundestages. Gauck lagen auch andere Vorschläge vor, erzählt der 45-Jährige, der sich sehr genau erinnert, dass dem (damals noch) Bundespräsidenten seine zupackende malerische Art und Weise am meisten gefallen habe.

Bouet malt grob, mit breitem Strich, expressiv. Dick und locker sind seine Farbaufstriche. Immer wieder auch im Farbrausch, vor allem wenn Mal- und Studienreisen nach Frankreich und Italien ihn inspirieren.

Das gestern enthüllte Porträt ist dunkel. Schwarz, Grau, Weiß beherrschen die Leinwand. Gauck ist im Gespräch zu sehen, auch seine Hande nehmen daran teil. Für Betrachter, die ihn kennen, sehr authentisch. Auch der Gesichtsausdruck. „Ich wollte sehr nah an der Persönlichkeit bleiben“, sagt Christoph Bouet, der Gauck mehrmals zu Gesprächen getroffen hatte. Modell aber stand der bis 2017 erste Mann im Staat nicht. „Dann wäre dieses Porträt nicht so, wie es jetzt ist“, sagt der Maler und erzählt, wie er digitale Quellen genutzt hat, ein Video von You Tube. Bouet suchte sehr gezielt eine Gesprächssituation, einen ganz bestimmten Moment, der ihm wichtig war als bildnerische Vorlage. Und so stellte er seine Staffelei erstmals vor einem großen Bildschirm auf.

Vom Drang zur Pleinair-Malerei

Bouet wurde in Halle geboren, wuchs in Gommern (Jerichower Land) auf, ging dort zur Schule. Die Liebe zur Malerei war bei ihm schon ganz zeitig ausgeprägt, auch die Qualität – schon mit 14 bestand er die Voreignungsprüfung an der Burg Giebichenstein. An der renommierten Hochschule für Kunst und Design in Halle studierte er denn auch, erlernte sein Handwerk bei Professor Ronald Paris. (Der war übrigens jüngst auch Ehrenbürger-Maler und hat Wolf Biermann singend mit Gitarre in der Hand für die Galerie vereweigt.)

Zur großen Freude von Boulet war sein Professor gestern bei der Bild-Enthüllung mit dabei. Überhaupt sei der Auftrag eine große Anerkennung seiner Arbeit, meint der 45-Jährige.

Jetzt, so sagt er, ziehe es ihn aber wieder raus. Die Natur grünt und blüht. Wenn man sich mit Bouet über die Pleinair-Malerei unterhält, kann man sehr diesen Drang nachvollziehen, rauszugehen aus engen Räumen mit künstlischem Licht. Diese Herangehensweise, die in den 1970er, 80er, 90er Jahren wie tot war, würde heute wieder an Leben gewinnen. „Künstler meiner Generation gehen wieder raus. Wir sind erfolgreich bei privaten Sammlern, aber in Museen nimmt uns leider niemand wahr“, sagt er. Hasso Plattner, Sammler und Mäzen des prachtvollen Museums Barberini in Potsdam, hat vor Jahren mehrere Bilder des Magdeburgers gekauft. Und in Ahrenshoop, dem legendären Künstlerdorf auf dem Darss, das seit langer Zeit Maler in den Bann zieht, hat er immer wieder gemalt und ausgestellt. Ahrenshoop steht wieder auf dem Plan, auch Osnabrück und Berlin. Sachsen-Anhalt erweist sich da eher als schwierig.