Hundisburg/Quedlinburg l Das winterliche Ölgemälde eines Torbogens mit Blick auf eine imaginäre Burg, gemalt von Wilhelm Steuerwaldt um 1850, gehört zum Bestand der Lyonel-Feininger-Galerie. Doch Steuerwaldts Arbeiten sind selten in Museumssammlungen zu finden, meist sind sie in Privatbesitz. Um den Spätromantiker zu dessen 200. Geburtstag zu ehren, ging die Quedlinburger Galerie einen ungewöhnlichen Weg: Sie startete einen Aufruf.

22 Ölgemälde, sechs Arbeiten auf Papier, eine Mappe mit 52 Lithografien (von denen die Galerie 17 zeigen wird) und zwei Briefe von Steuerwaldt sind für die Schau „Romantische Nachwelt“ zusammengekommen. Sie stammen von Sammlern, Liebhabern oder Besitzern von Erbstücken.

Heiko Günther aus Hundisburg ist solch ein Sammler. Er ist ein Freund der Kunst und ein Bewunderer der Steuerwaldtschen Malkünste. Als dieser erwarb er Bilder und Briefe des einstigen Schülers der renommierten Düsseldorfer Malschule. Vier Kunstwerke und zwei Briefe stellt er für die Ausstellung zur Verfügung.

Auf Spurensuche in der Biografie

Heiko Günther kann sich Steuerwaldt-Experte nennen. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Leben und Werk des gebürtigen Quedlinburgers. 2003 begann Günther zu recherchieren. Internet, Bibliotheken, Auktionen. Er wird zum Lebensdatensammler, schreibt zum 140. Todestag Steuerwaldts im Jahr 2011 eine Biografie, jetzt zum 200. Geburtstag vervollständigt er Lebenslauf und Werk mit einem weiteren Band (beides Redimora Verlag).

Wie kommt ein gebürtiger Magdeburger, ein seit Jahren in Hundisburg wohnender Polizist auf den fast vergessenen Steuerwaldt? Initialzündung sei 2003 eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg gewesen, erzählt Günther. Die habe sich Carl Hasenpflug (1802-1858) gewidmet. Der Halberstädter Maler war von 1830 bis 1833 Lehrer von Steuerwaldt.

Günther ist von Anbeginn fasziniert von den Arbeiten des Lehrers und seines Schülers, die einst gemeinsam durch den Harz reisten und Skizzen anfertigten als Vorlage für ihre Ölgemälde. Immer wieder sind da Burgen zu sehen und ein dunkler, mittelalterlicher Torbogen in romantisierender Winterlandschaft. Für beide wird dieses Motiv zum Markenzeichen.

Steuerwaldt ging 1833 nach Düsseldorf an die dortige renommierte Malerschule. Er studierte bei Johann Wilhelm Schirmer, dem Leiter der damals neu eingerichteten Klasse für Landschaftsmalerei. 1834 stellte er auf der Haberstädter Kunstausstellung fünf Werke aus, darunter das Gemäde „Burg Falkenstein“. Nach dem Studium kehrte Steuerwaldt nach Quedlinburg zurück, er fasste Fuß als freier Maler, stellte in Magdeburg, Halberstadt, Halle aus, kaufte gemeinsam mit seinem Vater das Klopstockhaus. „Später geriet er zunehmend in Geldnöte“, erzählt Heiko Günther. Er unterrichtete Zeichnen, musste 1867 das Klopstockhaus verkaufen. Im Dezember 1871 starb Steuerwaldt an einer Lungenentzündung in Quedlinburg.

Immer wieder Burgen und Kirchen

Was bleibt, ist seine Bildwelt. Immer wieder Burg Falkenstein, auch Stadtansichten von Halberstadt und Quedlinburg mit der Stiftskirche, das Bodetal, die Klosterruine Walkenried, die Krypta der Conradsburg bei Ermsleben. „Er hat den Quedlinburger Domschatz zeichnerisch festgehalten“, sagt Günther und nennt den Maler einen Konservator der Harzer Kulturlandschaft.

Die Ausstellung in der Feininger-Galerie ehrt nicht nur einen fast vergessenen Spätromantiker. Sie soll Impuls geben zur Wiederentdeckung des Malers. Galerie-Direktor Michael Freitag nennt sie Initial einer umfassenden Werkschau. Eine gute Gelegenheit böte sich 2021 zum 150. Todestag Wilhelm Steuerwaldts.