Ausstellung in Magdeburg zeigt die Ergebnisse einer Annäherung von Vater und Sohn Künstlerisches Treffen der Generationen
"Zwei Generationen - Paul und Paul Peter" ist Titel einer Ausstellung, die gegenwärtig in der Kunstwerkstatt im Magdeburger Engpass zu sehen ist. Gezeigt werden Arbeiten von Paul Ghandi und Paul Peter Morgenroth - Malereien und Plastiken von Vater und Sohn.
Magdeburg l Der in Wolmirstedt lebende Künstler Paul Ghandi alias Bernd Morgenroth ist in Magdeburg schon lange ein Begriff. Ob als Leiter des Kunstateliers der Pfeifferischen Stiftungen, als freischaffender Maler und Bildhauer oder durch zahlreiche Auftragsarbeiten - Paul Ghandi zählt zu den festen Institutionen der hiesigen Künstlerszene.
Der aus Dresden stammende gelernte Steinbildhauer hat sich zeitlebens mit verschiedenen Techniken und Materialien auseinandergesetzt. Stein, Holz, Metall, Grafik, Malerei, Webkunst, Bühnenbild oder Druckgrafik - der 56-Jährige weiß sich mannigfaltig auszudrücken.
Dass nun auch sein jüngster Sohn in diese Fußstapfen tritt, freut den Vater von insgesamt vier Kindern sehr - hat er doch bereits vor längerer Zeit das künstlerische Potential in seinem 24-jährigen Nachkömmling, der eigentlich aus der Hip-Hop- und Graffiti-Szene kommt, erkannt: "Paul hat schon als kleiner Junge in meine Skizzenhefte gekritzelt. Über die Jahre habe ich seine Sprayer-Arbeiten in seinem Blackbook verfolgt und sah eine beachtliche Entwicklung", erinnert sich der Vater.
So habe er Paul Peter vorgeschlagen, mit ihm gemeinsam an großformatigen Bildern zu arbeiten und dazu von der Sprühdose auf Öl und Acryl umzusteigen.
Diese Idee traf auch bei Paul Peter auf Wohlwollen. Gesagt, getan. Mit dem Aufstellen einer zweiten Staffelei im Atelier des Vaters und dem Kauf von großformatigen Pappen, Leinwänden und Farbe war der Grundstock für eine kreativ-produktive Schaffensphase von Vater und Sohn gelegt.
Die Arbeiten wurden vom Gedankenaustausch beeinflusst
Von nun an trafen sich beide Generationen zweimal die Woche, eineinhalb Jahre lang. Zuallererst lag es an Paul Peter, sich eine eigene Technik zu erarbeiten. Doch die war rasch gefunden: "Ich bin sehr experimentell vorgegangen, habe verschiedene Farben getestet. Mein Vater hat mich auf die Idee gebracht, Acryl-Spachtelmasse, Spraydose und Ölfarbe zu kombinieren. Damit hab ich mich schnell angefreundet."
Nach kurzer Zeit hatte sich Paul Peter seinen eigenen Stil erarbeitet, wovon sich selbst der erfahrene Vater beeindruckt zeigt: "Es ist deutlich eine Entwicklung erkennbar. Pauls Stil hat sich in kürzester Zeit vom Sprayer-Style hin zur freien Malerei entwickelt."
Paul Peter malt großflächig, abstrakt und scheint in der Farbauswahl spontan und kühn, wohingegen Paul Ghandi aufeinander abgestimmte, ruhigere Farbgefüge kombiniert und Detailverliebtheit in seinen räumlich strukturierten Ebenen zeigt. Jedoch ist ein jedes in dieser gemeinsamen Zeit entstandene Werk durch den Gedankenaustausch mit dem anderen beeinflusst.
Haben beide zwar ihren eigenen Kopf, sind sie sich doch auch in vielen Dingen einig. Beide malen zum Beispiel "einfach drauflos", ohne vorher eine greifbare Idee im Kopf zu haben. Paul Ghandi erklärt: "Für uns beide ist jedes Bild ein Experiment. Das Wichtigste ist der Entstehungsprozess. Wenn ich vorher schon wüsste, was ich malen will, bräuchte ich es nicht zu tun."
Schulter an Schulter entstanden mehr als 30 Malereien mit so verheißungsvollen Namen wie "Königspaar der Stadt", "Moglin unterm Farbregen" (Paul Ghandi) oder "Nachkriegszeit des Dritten Reiches" und "Leichter Sog nach links" (Paul Peter).
Ein kleiner Exkurs in die Kunstgeschichte gehörte dazu
Doch die gemeinsame Zeit im Atelier wurde nicht nur zum Malen genutzt. Paul Ghandi gab seinem Stammhalter auch einen kleinen Exkurs in Kunstgeschichte mit auf den Weg. Er gab ihm Bücher und Biografien in die Hand, zeigte ihm Matisse, Picasso, die Expressionisten. Vor allem der Impressionist Paul Cezanne hatte es Paul Peter angetan. Nach einer Weile versunken in den Büchern kam er auf den Vater zu und erklärte, er wolle ein Bild nur in Grautönen malen, denn Cezanne wäre der Meinung, man sei erst ein richtiger Maler, wenn man ein Bild nur grau in grau malt und die Farbe wirklich begreift.
Aber auch in den musischen Künsten begegneten sich im Atelier die Geschmäcker zweier Generationen: "Zum Malen haben wir immer Musik gehört", erklärt Paul Ghandi, "da trafen dann Steve Reich, Terry Riley und Bob Dylan auf Sido und anderen deutschen Hip-Hop."
Die Ergebnisse des gemeinsamen Schaffensprozesses können sich Besucher der Galerie Kunstwerkstatt in der Schönebecker Str. 25 (Buckauer Engpass) noch bis zum 21. April dienstags bis freitags von 14 bis 18.30 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr ansehen.