Lange Nacht im Kunstmuseum am 23. Januar

„Eintauchen“ ist die Lange Nacht im Kunstmuseum Magdeburg am 23. Januar überschrieben. Zu sehen sind dann nicht nur die farbenprächtigen Blütenmeere der mexikanischen Künstlerin Alicia Paz, die plastischen Systeme von Dieter Lahme und Einblicke in 40 Jahre Kunstmuseum, geboten wird auch ein Programm aus Musik, Führungen, Künstlergesprächen.

Zu erleben sind Ansgar Frerich mit seiner Produktion „Fluchtpunkt – Perspektiven“, Carolina Eyck mit ihrem Thereminspiel, Aktham Fakher auf dem Oud, einer orientalischen Kurzhalslaute, Jan Kubon mit Songs aus seinem Programm „The Land and the Sea“, die junge Magdeburger Band „AnSpielung“ und Franz Danksagmüller mit Orgelimprovisationen.

Zu Gast aus Halle ist das Papiertheater „Paperback“.

Das Haus an der Regierungsstraße öffnet am 23. Januar von 19 bis 1 Uhr. Karten gibt es im Volksstimme-Servicecenter und im Kunstmuseum. Sie kosten 5 Euro im Vorverkauf und 6 Euro an der Abendkasse, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Magdeburg l Für den Hacker-Thriller „Who am I – Kein System ist sicher“ mischte Ansgar Frerich den Sound so gut, dass der Film von Baran bo Odar für die Tongestaltung mit dem deutschen Filmpreis 2015 ausgezeichnet wurde. Bereits 2011 hatte Frerich für „Pianomania“ die renommierte Auszeichnung erhalten. Er arbeitet mit Regisseur Wim Wenders, der iranischen Filmemacherin Shirin Neshat und dem schottischen Installationskünstler Douglas Gordon zusammen. Sie alle haben ihn inspiriert, auch außerhalb des Filmes eigene Wege zu gehen. Jetzt plant er eine eigene Video-Ton-Installation im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.

Porträts Geflohener

Der romanische Kreuzgang ist Frerichs neuestes künstlerisches Tätigkeitsfeld. Der Berliner, zu Absprachen nach Magdeburg gereist, erzählt von seiner Arbeit, den zwölf Röhrenmonitoren, die parallel zu den Leidensstationen Christi installiert werden sollen, von Porträts geflohener Menschen, die ihr Leid, ihre Geschichte erzählen werden. „Es geht auch um die Frage, wonach man sucht. Nach der Heimat, nach einem Ort, wo man, wenn nicht geborgen, so doch zumindest sicher ist“, sagt er. In „Fluchtpunkt – Perspektiven“, so überschreibt er seine Arbeit, gehe es ihm um Wünsche, Hoffnungen, Ängste.

In der Jetzt-Zeit, in der kaum ein Tag ohne Flüchtlingsmeldung vergeht, findet er viele Ansatzpunkte, doch er beschränkt sich nicht auf Menschen, die aus Afghanistan, Syrien, dem Irak zu uns kommen. Frerich: „Ich will verschiedene Fluchtgeschichten in einen Dialog setzen.“ Er nennt Geflüchtete aus Schlesien, aus der DDR, aus dem Kosovo. Ihm schwebe auch eine Fiktion vor, ein Blick in die Zukunft: Jemand, der aus einer Überwachung flieht.

„Ich will den Unterschied zwischen einer diffusen Masse und dem individuellen Schicksal spürbar machen“, sagt der 1977 in Paderborn geborene Mischtonmeister. Er plant eine Kakophonie im Kreuzgang, sozusagen ein Sammelsurium an Stimmen. Alle Geschichten, so schwebt es Frerich vor, sollen beim Betreten des Kreuzganges dem Besucher gleichzeitig erzählt werden. Erst durch die Nähe zum Monitor werde das Einzelschicksal, das Individuelle erkennbar und hörbar.

Auch schöne Erinnerungen

Nur Leid, nur Traurigkeit? Keineswegs, antwortet Frerich. Die Gesprächspartner geben auch schöne Erinnerungen aus der Heimat preis, von guten Begegnungen in einer deutschen Aufnahmestelle. Und immer wieder werde über Träume und Hoffnungen gesprochen.

Museumschefin Annegret Laabs, die dieser Tage das Konzept mit dem Künstler durchspricht, ist angetan von dessen Idee, eine Feuerschale im nicht überdachten Innenbereich des Kreuzganges als Ort der Begegnung, des Gesprächs über das Gehörte aufzustellen. Feuer ist Wärme, der heimische Ofen, auch Sinnbild für Zerstörung.

12 Personen, 12 Interviews, jeweils 20 bis 30 Minuten lang. Unterstützt wird Frerich von zwei Magdeburgern. Er sieht das Projekt als Teamarbeit.

Der Klangmeister freue sich auf seine Arbeit im Kreuzgang, in Magdeburg, sagte er. In der Stadt war er erst im Oktober, als er anlässlich der Filmkunsttage Sachsen-Anhalt mit dem Kleinstkunstpreis/Special geehrt worden war. Ihm zu Ehren gab es eine Werkschau („Feuchtgebiete“, „Return to Homs“, „Who Am I“), er präsentierte eine Klanginstallation. Zu den Filmkunsttagen gab es erste Kontakte zum Kunstmuseum.

„Die Lange Nacht gibt die Möglichkeit, sich auszuprobieren“, sagt Annegret Laabs. Angesichts der Kürze der Zeit für die Produktion spricht sie von einem Anfang, der Grundlage sein kann für weiterführende, perfektionierende Arbeiten. Auch Frerich sieht die Idee, eine diffuse Masse gegen das Einzelschicksal zu setzen, als Grundstock für Weiteres.