Magdeburg l Als der gebürtige Bitterfelder Mario Lobedan, der Bibliothekar wurde und später bei Arno Rink an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, 2006 nach Magdeburg zog, gab es schon erste Kontakte zum Kunstmuseum. Fast zehn Jahre später, als das Haus 40. Geburtstag feierte und 40 Künstler präsentierte, war Lobedan mit dabei.

Zehn Zeichnungen von ihm waren damals zu sehen (die das Land Sachsen-Anhalt ankaufte und die heute in Kunstmuseums-Besitz sind). Jetzt widmet die Kunsteinrichtung dem Magdeburger erstmals eine Personalschau. Zeichnungen sind zu sehen, vor allem aber seine großflächige Malerei. Fast alles ist jüngst entstanden – oder in den vergangenen zwei, drei Jahren vollendet worden.

Dieses Vollenden hat bei Lobedan eine besondere Bedeutung. Bei ihm ist es eine künstlerische Anschauung.

Bilder

Wegschaben und verwischen

Denn das Wörtchen „fertig“ ist bei ihm nicht lange gültig. Lobedan stellt seine Arbeiten infrage, nimmt sie sich erneut vor, indem er Farben aufspachtelt, verwischt, wegschabt. Da geht er rigoros zu Werke, er lässt Farbe auch einfach laufen. Schlieren gibt es dann und Kleckse. Ebenso Kreise und Liniengerüste. Eine ausgestellte Arbeit von 2010 riecht nach Ölfarbe. Sie ist frisch. Wird das Bild so bleiben? „Jedes Bild hat mal ein Ende“, sagt er und lächelt.

Und die Anfänge? „Sie sind heller und aquarellhaft, dann reagiere ich auf die Fläche“, sagt er. Er nennt es die Suche nach der Balance im Bild.

Radiergummi wichtig wie der Stift

Im vergangenen Jahr hat er nur gemalt, nicht gezeichnet. Zehn bis zwölf Bilder sind dann parallel in Arbeit. Der Künstler hat sich deshalb ein neues Atelier gesucht, ein größeres, das freieres Arbeiten ermöglicht. „Ich kann die Gesten größer machen“, meint Lobedan und nennt das, was da entsteht durch das nochmalige Herangehen ans Werk, eine „neue Dimension“. Er arbeitet mit Verlust, mit Preisgabe, mit dem Löschen. Das ist, so weiß er, auch riskant. Nicht immer sei er mit seinen Überarbeitungen glücklich, gibt er zu. Und manchmal war es auch eine Künstlerkollegin, die ihn aufhielt, noch einmal Hand anzulegen an die schon vorhandenen Farben auf der Leinwand.

Das Löschen ist auch ein Arbeitsschritt bei seinen Zeichnungen. „Der Radiergummi ist gleich wichtig wie der Stift“, sagt der Künstler. Und es gibt kein oben und unten. Lobedan’sche Zeichnungen entstehen auf einem Tisch, der nur so groß ist wie das Arbeitspapier. Deshalb kann von all den vier Seiten eingegriffen werden.

Nichts Gegenständliches

Wer die Ausstellung besucht, wird Gegenständliches weder in den Zeichnungen noch in den Ölbildern finden. Das ist dem Künstler fern. Ebenso Titelgebungen für seine Kunst. Er sagt: „Ich gebe nichts vor.“ Jeder solle selbst deuten und suchen und für sich etwas finden. Finden kann man Naturschauplätze. Lobedan, so erzählt er beim Gang durch die Ausstellung, sei viel draußen unterwegs. Die Natur nennt er einen Energiespender und die Elbauen inspirierend. In Atelier­pausen liest er Gedichte.

Der Maler geht durch die gehängte Ausstellung. Er sieht sehr zufrieden aus. „Eine Präsentation wie hier habe ich noch nie gehabt.“ Kurator Uwe Gellner ist der Überzeugung, dass sich der Magdeburger messen lassen kann mit Künstlern, die im Hause präsentiert werden.

Die Ausstellung „Mario Lobedan. Allegro. Malerei und Zeichnung“ wird am 25. März 2018, 15 Uhr, eröffnet.