Magdeburg l Es wäre vermessen zu denken, dass vom Barockkomponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767) gar belletristische Werke vorliegen. Aber das Multitalent Telemann liebte Sprache und Dichtung. „Wir schauen auf ihn als Leser, als Dichter von Poesie, als Vertoner“, sagt Musikwissenschaftler Ralph-Jürgen Reipsch vom Magdeburger Telemann-Zentrum.

Telemann hat eine ganze Reihe Libretti zu Kantaten, Serenaden, Oratorien und Opern für eine Vertonung geschrieben. Überliefert sind auch Epigramme und Widmungsgedichte, ebenso autobiografische Texte, um der Nachwelt aus seinem Leben zu berichten. Und er hatte engen Kontakt zu Dichtern seiner Zeit wie Friedrich von Hagedorn (1708–1754), Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) oder Friedrich Wilhelm Ramler (1725–1798).

Auf der Suche nach geeigneter Dichtung

Der gebürtige Magdeburger hat auch Texte für seine Kompositionen in Auftrag gegeben. Für seine Instrumentalmusik bediente er sich bekannter Autoren wie Jonathan Swift. Er schrieb die Gulliver-Suite und hat Don Quichotte vertont. Und an „Richard Löwenherz“, der Oper von Händel, hat er weitergefeilt. Er hat für sein Hamburger Publikum deutsche Rezitative geschrieben und eine Nebenhandlung eingebaut. Diese Händel-Telemann-Oper wird zu den Festtagen szenisch erstaufgeführt.

Reipsch erzählt, dass sich Telemann schon in jungen Jahren in seiner Magdeburger Geburtsstadt mit Poesie beschäftigt habe. Als er ans dortige Domgymnasium ging, habe sein Lehrer und späterer Rektor Christian Müller in Telemann – und Reipsch zitiert aus dessen Autobiografie von 1740 – die erste Liebe zur deutschen Dichtkunst eingepflanzt. Der Umgang mit Sprache gehörte einfach zum guten Ton. Reipsch, der sich von Berufs wegen seit etlichen Jahren mit dem Komponisten beschäftigt, bescheinigt ihm eine „beachtliche Begabung“.

Ein unermüdlicher Arbeiter

Der Komponist war bis zu seinem Lebensende ein unermüdlicher Arbeiter. Er müsse deshalb stets auf der Suche nach zur Musik geeigneter Dichtung gewesen sein, sagt Reipsch. „Alles redet jetzt und singet“ steht beispielsweise dafür. Brockes schrieb einst über das Frühlingserwachen. Telemann setzte das Summen der Hummeln und den Gesang der Nachtigall in Musik um. Zu den Telemann-Festtagen wird diese Frühlingskantate erklingen (11. März, 16 Uhr, Gesellschaftshaus).

Poetische Gedanken an die verstorbene Ehefrau

Das Thema Poesie, eng verbunden mit der Musik, zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch das Programm. August Zirner zum Beispiel, der deutsche Schauspieler, ist zu einem musikalisch-literarischen Abend geladen und wird dazu auch die poetischen Gedanken von Telemann lesen, die er 1711 auf seine erste Frau Louise schrieb, die ihm eine Tochter schenkte, aber im Kindbett starb. Zirner war mit einem literarischen Telemann-Programm 2010 schon einmal zu Gast in Magdeburg und hatte auch dieses Gedicht gelesen. Damals sagte er dazu: „Ich glaube, es war seine große Liebe, die er ein ganzes Leben in sich getragen hat. Und dieses Gedicht zeigt sehr deutlich, dass Trauer auch etwas mit Liebe zu tun hat.“

Telemann schrieb darin als „hinterlassener Mann“:

„Wir haben uns zuerst in einem fremden Lande.

Ich dachte nicht an sie. Sie wußte nichts von mir.

Und dennoch knüpfte Gott schon unsre Liebesbande,

Und pflanzt in meiner Brust den heißen Trieb nach ihr.“