1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Marionetten in der Oper

Puppentheater Marionetten in der Oper

Eine Ausstellung im Puppentheater Magdeburg gibt Einblicke in die Welt des Salzburger Marionettentheaters.

Von Grit Warnat 12.11.2015, 00:01

Magdeburg l Vogelfänger Papageno und Tamino als hölzerne Opernstars. Die beiden Figuren aus Mozarts weltbekannter Oper „Die Zauberflöte“ gehören zu den vielen farbenfrohen, prächtig gekleideten Figuren der neuen Ausstellung in der Villa P. des Puppentheaters. Ein ganzer Raum ist Mozart und seinen Opern gewidmet: „Don Giovanni“, „Così van Tutte“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Die Entführung aus dem Serail“, „Die Zauberflöte“.

Das Theater in Salzburg hat sich darauf spezialisiert, Opern mit Marionetten auf die Bühne zu bringen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Mozart, dem großen Sohn der Stadt, der 1756 dort geboren wurde. Kuratorin Katrin Gellrich nennt das Salzburger Haus „eine große Nummer in der Szene“. Gastspiele gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten. Gellrich: „Ein Drittel des Jahres ist das Ensemble immer auf Reisen.“

Das Theater hat eine mehr als hundertjährige Tradition. Am 27. Februar 1913 fand der erste öffentliche Auftritt statt. Es gab damals Mozarts Singspiel „Bastien und Bastienne“. Ein halbes Jahr später mietete der Ur-Vater des Hauses, Bildhauer Professor Anton Eichler, einen Turnsaal. Es war die erste feste Heimstatt der Puppenspieler.

Damals also schon Mozart, aber auch der Kasper. Aus den Anfangsjahren des Theaters sind Skizzen vom Kasper zu sehen, sein Leiblied, die Holzfigur. Handgemalte Plakate warben für Auftritte, für das Programm. Damals schon hat es Tourneen und Gastspiele in ganz Europa gegeben. Die Puppenspieler reisten mit kleineren Mozartstücken, weil Sänger und Musiker die Aufführungen begleiten mussten. In den 1950er Jahren, als in Deutschland Tonbandgeräte gefertigt wurden, kamen bei den Aufführungen Gesang und Musik vom Band.

Nach wie vor haben die Opernaufführungen mit Marionetten für Katrin Gellrich eine sehr eigene Faszination. „Es sind üppige Ausstattungen mit viel Dekor und vielen Marionetten“, sagt Gellrich. Sie spricht von menschlichen, sehr filigranen Bewegungen, der Ausdruck komme über Gesten, für die es zahlreiche Fäden zu bedienen gibt. Einst wurde ein eigenes Führungskreuz dafür entwickelt.

Zehn Puppenspieler gehören zum Ensemble. Bei ihren Opernaufführungen brauchen sie viel Personal – allein ein Chor will bedient werden. Zwischen 20 und 90 Marionetten hängen pro Stück an den Fäden.

„Die Salzburger arbeiten ganz anders als wir“, sagt Gellrich nicht nur mit Blick auf diese Vielzahl. Bei den Salzburgern ist ein Puppenspieler auch nicht sichtbar. Einen Eindruck vom Spiel erhalten Interessierte zur Eröffnung am Donnerstagabend, wenn eine Puppenspielerin aus Salzburg im Spiel zu erleben sein wird.

150 Stücke wurden in all den Jahren produziert, darunter auch „Der Ring des Nibelungen“, „Hoffmanns Erzählungen“, Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“, das Musical „Sound of Music“. 2000 Marionetten entstanden, derzeit „beschäftigt“ das Haus 500 von ihnen. Eine Auswahl ist bei „Mozart in Magdeburg“ zu sehen. Der große Meister als Marionette fehlt natürlich nicht. Über einen Fernsehschirm flimmern Mitschnitte seiner großen Opern mit ausschließlich hölzernen Darstellern.Neben prachtvoll gekleideten Figuren liegt ein Gästebuch mit der Unterschrift Marlene Dietrichs. Auch sie saß einst im Publikum.

Eröffnung der Sonderausstellung „Mozart in Magdeburg“ in der Villa P. des Puppentheaters am 12. November um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr, Eintritt: Erwachsene 5 Euro, Kinder 3 Euro.

Lesekonzert am 3. Dezember von 14 bis 17 Uhr im Café P. mit Jesko Döring als Mozart und dem Magdeburger Pianisten Burkhard Schmidt. Moderne Variationen unter anderem aus „Die Königin der Nacht“ im Bossa-Nova-Rhythmus und „Komm, lieber Mai“ im jazzigen Groove sowie Einblick in die Briefe an seine Schwester Maria Anna Thekla Mozart.

Ende der Ausstellung: 24. April 2016.