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St. Pauli Theater "Monsieur Claude und seine Töchter" als Bühnenhit

Im Hamburger St. Pauli Theater ist der Kinoerfolg "Monsieur Claude und seine Töchter" in einer Bühnenfassung von Stefan Zimmermann zu sehen. Michael Prelle brilliert in der Titelrolle.

Von Ulrike Cordes, dpa 03.11.2017, 07:28

Hamburg (dpa) - Zwanzig Millionen Zuschauer in aller Welt haben sich über die französische Kinokomödie "Monsieur Claude und seine Töchter" aus dem Jahr 2014 amüsiert. Der Drehbuch-Stoff von Philippe de Chauveron und Guy Laurent über oft schwer zu erringende Toleranz und Fremdenfreundlichkeit funktioniert aber auch auf der Bühne.

Nach der erfolgreichen deutschsprachigen Erstaufführung 2016 an den Wiener Kammerspielen der Josefstadt zog am Donnerstagabend das private St. Pauli Theater in Hamburg nach. Die erste Aufführung der Theaterfassung von Stefan Zimmermann in Deutschland gefiel den Besuchern. Sowohl Laurent als auch Zimmermann waren zu der Premiere gekommen.

Launig, schwungvoll und präzise präsentiert der Hausherr Ulrich Waller samt zumeist fabelhaftem 14-köpfigen Ensemble - darunter Michael Prelle, Angela Schmid und Patrick Abozen - das mit viel Dialogwitz gespickte Stück. So belegt auch Wallers Abend, dass es möglich ist, in Zeiten von Migration und Rechtspopulismus über entstehende Konflikte einmal einfach nur intelligent zu lachen. Und sie dabei im besten Fall sogar eher zu überwinden helfen vermag als mit manchen bitterernsten Disputen.

An Inventar braucht die Aufführung nicht viel: nur wenige Tische und Stühle, dazu an die Wand und den Vorhang projizierte großformatige Fotografien von Häusern in Paris, der französischen Provinz und Abidjan an der afrikanischen Elfenbeinküste (Bühnenbild: Nina von Essen).

In dem schlichten Rahmen brilliert vor allem Prelle in der Titelrolle als erzkonservativer Notar vom Lande, dessen vier Töchter jeweils einen Juden, einen Moslem, einen Chinesen und einen Afrikaner heiraten. Er gibt diesen Katholiken und Gaullisten vom Land zunächst als buchstäblich rechtes Scheusal - dessen verhärtetes Herz zum guten Ende aber schmilzt. Zwischenzeitlich blickt der Schauspieler immer wieder in stummer Verzweiflung ins Publikum, um dann seine von Vorurteilen geprägten Bosheiten gegen seinen Anhang abzuschießen. "Dein Schwarzer bedroht den Familienfrieden" ist da noch ein Spruch der harmloseren Sorte.

Doch bald trifft Monsieur Claude auf einen Ebenbürtigen, der unter umgekehrten Vorzeichen ebenfalls gegen die Verbindung seines Sohnes mit einer weißen Französin ist. Eric Lee Johnson gibt diesen altgedienten afrikanischen Offizier der Fremdenlegion, der bei den Verneuils im traditionellen bunten Boubou anrückt - ein Gewand, das schließlich, nach ausgiebiger Versöhnungssause mit dem neuen Freund, sogar Claude trägt.

Zu den Turbulenzen der Geschichte trägt noch erheblich bei, dass sich auch die Schwiegersöhne untereinander lange keineswegs grün sind - und sich schon mal als "Mao" oder auch "Arafat" beschimpfen. 

St. Pauli Theater