Ausstellung in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" zeigt Fotografien von kleinen Dorfkirchen in Sachsen-Anhalt und Thüringen Morbide Schönheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet
Magdeburg l Mitteldeutschland ist reich an Dorfkirchen. Weit mehr als 2000 der historischen Sakralbauten stehen allein in Sachsen-Anhalt. Ein steinreicher Schatz ohnegleichen, der für deren Eigentümer Last und Lust zugleich ist. Unter dem Titel "Wie Du siehst" zeigt die Magdeburger Galerie "Himmelreich" bis zum 1. Juni Fotografien, die in kleinen Kirchen oft abseits traditioneller Touristenrouten aufgenommen wurden.
Die Arbeiten von Anne Christine Martin und Stefan Feldhoff entstanden in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Autoren begaben sich auf Entdeckertour, erkundeten diese Räume. Entstanden ist eine dokumentarische Serie von großformatigen Bildern, die nicht das Ganze präsentieren wollen, sondern sich auf Ausschnitte und Details konzentrieren.
Stefan Feldhoff studierte Journalistik, Germanistik und Philosophie in Köln und Stuttgart. Seit 15 Jahren veröffentlicht er gemeinsam mit Anne Christine Martin Bücher, Bildbände und Reiseführer für unterschiedliche Verlage. Sie hat in Magdeburg Gebrauchsgrafik studiert. Seit 1987 gilt ihr Interesse auch der Fotografie.
Handwerklich lassen die Fotos kaum Wünsche offen. Die beiden Schöpfer spielen mit unterschiedlichen Blickwinkeln, grenzen ein, konzentrieren sich oft auf scheinbare Nebensächlichkeiten. Es wird nichts geschönt. Vorgefundenes auch in morbider und eigentümlicher Schönheit festgehalten. Der Zeitfaktor spielt bei solchem Vorgehen, wenn Buchproduktionen im Hintergrund stehen, allerdings auch eine Rolle. Da mag dann und wann der Zeitdruck im Hintergrund mitarbeiten, dem man sich kaum entziehen kann.
Das Lichtspiel, das in Fenstern und Türen seinen Ursprung hat, lässt sich nicht verändern. Der Sonnenstand des Augenblicks bestimmt, setzt Grenzen, eröffnet Möglichkeiten, die aus der vorgefundenen Situation entspringen.
Bei manchen Fotos wird der Wunsch wach, das abgebildete Kunstwerk, den Ausstattungsgegenstand prägnanter und weniger dokumentarisch zu sehen. Da erscheint das eine oder andere Motiv langweilig, lässt ein wenig Einfühlungsvermögen vermissen. Der Spagat zwischen Produktion von Literatur und Beobachtung ist schwer zu meistern.
Beim Kirchlein von Schwerz im Saalekreis gelingt das Zusammenspiel von Lichtmalerei und dem eigentlichen Motiv sehr gut. Da macht es Spaß, Feinheiten zu suchen, sich auf die Wirkung alter Handwerkskunst einzulassen. Dagegen wirkt der Blick auf die Empore des Schlagenthiner Gotteshauses im Jerichower Land eher trist, mit wenig Gespür für die architektonischen Elemente. Insgesamt eine Schau, die nur streckenweise überzeugen mag, den Liebhaber der historischen Orte aber trotzdem auf seine Kosten kommen lässt.