Wernigerode l Nicht nur Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine haben sich vom Harz und seiner Mystik inspirieren lassen. Es waren auch immer wieder Maler, die diese Natur-Kulisse mit Pinsel und Ölfarbe auf Leinwand festgehalten haben. Die Akademien und Künstlerschulen in Deutschland schickten ihre Schüler in den Harz.

Wer dort aber geboren wurde und aufwuchs oder wer von der Künstlerschaft im nördlichsten deutschen Mittelgebirge einige Lebensjahre verbrachte, der war automatisch angezogen von der Landschaft und der Architektur: dunkle Fichten und Fingerhut am Wegesrand, Steine wie von Teufelshand hingeworfen, weite, von Wegen durchzogene Wiesen, heimelige Fachwerkhäuser. Das kleine, sanierte städtische Harzmuseum in Wernigerode hat vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten solche Werke von Harzmalern gesammelt. Heute hat die Einrichtung etwa 400 Ölgemälde aus zwei Jahrhunderten in ihrem Besitz. 100 dieser Arbeiten sind jetzt zu sehen, viele davon erstmals.

Drei Häuser, drei Ausstellungen

Museumschef Olaf Ahrens spricht vom größten Ausstellungsprojekt seines Hauses seit vielen Jahren. „Die Harzmaler“ ist in Zusammenarbeit mit dem Wernigeröder Kunst- und Kulturverein und der Kunststiftung Sachsen-Anhalt eine Ausstellungstrilogie geworden, verteilt auf drei Kunsthäuser in Wernigerode. Der Blick auf die Malerei des 19. Jahrhunderts (im Harzmuseum) und des 20. Jahrhunderts (Kunsthof „Galerie 1530“) wird bereichert von zeitgenössischen Sichten der Hallenser Künstlerin Christine Bergmann (Museum Schiefes Haus), die sich im Rahmen des Heimatstipendiums der Landeskunststiftung mit dem Leben und Werk der Harzmaler auseinandergesetzt hat.

Bilder

Drei Häuser, drei Ausstellungen. Die 100 Gemälde im eigenen Haus zu zeigen, war ein unmögliches Unterfangen für das Harzmuseum. Mit seiner Dauerausstellung sind die Möglichkeiten für Sonderschauen höchst begrenzt. Was jetzt dort zu sehen ist, sind Harzmaler-Werke des 19. Jahrhunderts. Georg Jabin, Carl Zimmermann, Albert Schöpwinkel, Hermann Schnee, Georg Heinrich Crola, der einst als große Nachwuchsbegabung unter den Landschaftsmalern in München galt und mit seiner Frau ein Haus in Ilsenburg bewohnte – alle eint: Ihre Motive haben sie in der Landschaft und Architektur gefunden. Dass auch die Maler des 20. Jahrhunderts Entdecker des Harzes waren, ist einige Schritte entfernt in den schön hergerichteten Fachwerk-Räumen des Kunsthofes zu sehen. Arbeiten von Wilhelm Pramme, Bruno Jüttner, Carl Klapper, Christian Hallbauer, der ins Exil nach Norwegen ging und nicht wieder nach Deutschland zurückkehrte, sind zu sehen.

Ein ganzer Raum für Otto Illies

Ein ganzer Raum ist Otto Illies gewidmet. 15 seiner Ölgemälde – er war kein produktiver Maler – sind im Fundus des Harzmuseums, elf werden jetzt gezeigt. Illies, 1881 in Japan geboren, in Hamburg in einer vermögenden Kaufmannsfamilie aufgewachsen und später in Wernigerode lebend, hatte in München und Weimar eine akademische Ausbildung erhalten. Seine ausgestellten farbintensiven Arbeiten von Felsaufbrüchen, Wurzelwerk, Bäumen, auch sein Selbstbildnis haben nicht nur räumlich, sondern auch qualitativ eine Sonderstellung unter den Harzbildern.

Gleich nebenan mutet Erich Krüger mit einem kleinformatigen Hirsch-Bild kitschig an. Es wurde 1956 als erster Preis zum Schützenfest in Benzingerode vergeben. Ist es aber nicht gerade dieser Kontrast, der für die Bandbreite der einst hier aktiven Künstlerschaft steht? Man darf die gezeigten Werke auch gern als ein Stück Geschichte dieses Mittelgebirges verstanden wissen. Der Blick zum Brocken, der seit jeher elektrisiert hat und dem Betrachter als Motiv zahlreich begegnet, ist heute ein anderer. Das Schloss Wernigerode ist noch vor seinem Umbau zu sehen. Und das Forsthaus Schluft existiert schon lange nicht mehr.

Zur Ausstellung „Die Harzmaler“ ist im Verlag Jüttners Buchhandlung ein Begleitband erschienen. ISBN: 978-3-910157-22-4, 19,90 Euro.