Magdeburg. l Start mit Videoshow. Auf der Bühnenleinwand das Symbol des aktuellen Albums, eine Acht gedreht zum Unendlich-Zeichen. Es beginnt zu fließen, im Einklang mit der Musik, die sich wie ein Klangteppich in den Saal zieht. Handys zucken, filmen mit, verschwinden nach und nach im lauter werdenden rhythmischen Klatschen. „Wer hält die Welt?“, singt Hartmut Engler und „Wir halten uns fest“. Symbolisch wird das werden fürs Konzert.

Es geht ums Halten, das Fest- und zueinander. Mit Achtung und Respekt. Diese Worte stehen nicht nur für das neue Album, betont der Frontmann, sondern auch für das Miteinander, gerade angesichts der „politischen Großwetterlage im Land“. Jubel aus dem Saal als Antwort. Pur positioniert sich. Hat es schon früher getan, tut es weiterhin. Auch an diesem Abend. „Bis der Wind sich dreht“ ist zu hören und „Neue Brücken“ (aufeinander zu, gegen Arroganz und Intoleranz). 20 Jahre alt und aktueller noch als zur Entstehungszeit. Es ist Pur-Herzensangelegenheit, zu sensibilisieren für ein tolerantes Miteinander.

Auf der Bühne stehen Söhne heimatvertriebener Eltern, betont Engler, deren Familien nach dem Krieg anderenorts eine neue Chance bekamen. Ohne Integration wäre „unsere schöne Musik nie entstanden“.

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Eine persönliche Hommage schließt sich an: Mit „Tango“ umschreibt Harmut Engler das Leben seiner mittlerweile 91-jährigen Mutter, deren Bild von der Leinwand zusieht. Nicht nur ihr Sohn bekommt feuchte Augen dabei. Sensible Momente.

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Vor allem aber geht es stimmungsvoll zu an diesem Konzertabend. 35 Jahre Musikgeschichte von der Schülerband bis heute brachten zahlreiche Hits hervor. Einen bunten Mix davon hatten die Pur-Musiker auf der Setliste, neben Liedern vom neuen Album, manche im Aktustik-Medley zusammengefasst. „Brüder“, „Herzbeben“, „Wenn du da bist“, „Hör gut zu“, „Abenteuerland“, „Indianer“, „Drachen sollen fliegen“. „Freunde“... Immer wieder singt der Pur-Chor mit, Tausende Stimmen.

Oft braucht es nur wenige Takte, schon gab es Jubelschreie. Wie bei „Lena“. Da hält es auch die Sitzenden auf den Seitentribünen nicht mehr auf den Plätzen. Es wird getanzt auf den Rängen. Feuerzeuge gezückt und Handy-Lampen leuchten auf. „Hab mich wieder mal an dir betrunken.“ Die Welt ist eine Party. So einfach geht das.

Bei allem kommt der Showeffekt nicht zu kurz. Ob mit den Kostümen vergangener Jahre (Indianerschmuck und „Nazi“-Kluft), kleinen Kaspereien am Rande (insbesondere von der „Tastenfront“ Ingo Reidl und Cherry Gehring) oder mit Filmen, Lichtern und Farben auf der Bühnenleinwand.

Den größten Effekt allerdings schafft immer wieder Frontmann Engler, der die Fans im Saal dirigiert wie einen Chor, singen lässt und klatschen, laut und leise, im Kanon und gemeinsam.

Da ist es dann wieder, dieses Wir-Gefühl, für das die Band steht. Das die Jungs aus Bietigheim-Bissingen zum Kult gemacht hat. Pur ist vor allem Live-Band, eine der besten, wenn nicht gar die beste, die Deutschland hat.

Zum Schluss lässt sich Hartmut Engler feiern. Geht zu den Fans, reicht ihnen die Hand, so weit die Arme reichen, lässt sich fotografieren, lächelt jeden einzelnen an. „Oh wie ist das schön“ singen die Fans zum Finale und mit „einer geht noch“ rufen sie in der Handball-Halle nach musikalischer Zugabe. Die gibt es, natürlich. Dazu kommen die Schwestern „Klima“ auf die Bühne zurück, die das Vorprogramm bestritten hatten.

Es ist 22.30 Uhr, als die letzte Jubelwelle den Saal durchzieht. „Wer Lust hat – kommt zu unseren Open-Air-Konzerten im Sommer“, ruft Engler den Fans zum Abschied zu. Dann geht das Saal-Licht an. Was für ein Abend!