Magdeburg l 2017 hatte Magdeburg seinen 1681 in der Stadt geborenen Komponisten Georg Philipp Telemann mit einem besonders großen Festival gefeiert. Dessen 250. Todestag war Anlass, monatelang Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Telemanns Leben und seine Werke wurden sehr unterschiedlich gespielt, getanzt, gesungen. Zum Abschluss gab es eine Barocknacht unterm Sternenhimmel.

Zwei Jahre später nun, so der Turnus des Festivals, ist es zeitlich wieder bei seinen anderthalb Wochen angekommen. Aber der Blick aufs Programm zeigt dann doch, dass die „Telemania“ mit ihren teils außergewöhnlichen Angeboten Entdeckergeist geweckt hat. Denn neben den als rein klassisch deklarierten Telemann-Konzerten lassen sich die Organisatoren auf Elektrosounds ein, auf Wandelkonzerte und Papier-Theater in den Gruson-Gewächshäusern (weil Telemann doch ein großer Blumen-Liebhaber war) und auf das Klein-Öperchen „Pimpinone“. Eine große Opernproduktion mit dem Theater Magdeburg gibt es nicht. Das plant eine Produktion mit dem Kurt-Weill-Fest. So geht es mit den komischen Pimpinone-Intermezzi von Telemann auf die Bühne des Moritzhofes. Man tauscht also den Theatersaal mit der wunderbar sanierten Scheune des engagierten Kulturvereins.

Das darf man mutig nennen, aber mit Blick auf neues, junges Publikum auch konsequent. Trotzdem sagt Carsten Lange, Leiter des veranstaltenden Telemann-Zentrums, sei man gespannt, wie dieses Werk außerhalb des gewohnten Theaterraumes wachse und das Publikum berühre. Gerade das aber kann funktionieren. Die Zutaten jedenfalls passen zum Moritzhof‘schen Backstein-Charme: Unterhaltsames Stück, junge Interpreten, renommierte Akademie für Alte Musik Berlin. „Es ist ein Experiment“, sagt Lange.

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Telemann-Konzerte zu den Festtagen sind gesetzt im Gesellschaftshaus, ebenso in Kirchen, wo das kirchenmusikalische Schaffen des Vielschreibers originär hingehört. Aber Lange und sein Team wollen verstärkt auch andere Magdeburger Orte mit dem Werk des Barockkomponisten erschließen. Und so geht man mit der 25. Auflage in die Festung Mark, eine ehemalige Kaserne aus dem 19. Jahrhundert, auf die Insel der Jugend in der Maybachstraße, ins Amo, ins Alte Theater und ins oberste Stockwerk des Katharinenturms. Hoch über den Dächern der Stadt wird das jung-wilde, zu vielen Festivals geladene Ensemble „4 Times Baroque“ zu später Stunde (22 Uhr) Telemann und Bach spielen. Die vier Männer, die sich gern mal mit Hosenträgern und AC-DC- T-Shirt kleiden, holen Telemann und DJ auf die Bühne. Alte Musik und Elektrosounds also. Man muss das Quartett schon mal gehört haben, um nicht die Stirn zu runzeln, sondern zu wissen, wie gut das funktioniert.

Spätestens bei „4 Times Baroques“ versteht man das Ansinnen der Organisatoren, sich für „Klangfarben“ als Motto entschieden zu haben. Es steht natürlich für den kompositorischen Reichtum im Werk Telemanns, aber auch für die geladenen Solisten und Ensembles und ihre instumentalen Klangfarben. Laut Lange gibt es Konzerte in Kleinstbesetzungen und im großen Oratorien-Rahmen. Vier verschiedene Soloinstrumente mit ihren ganz speziellen Farbigkeiten seien zu erleben, unter anderem Dorothee Oberlinger. Die gefragte Blockflötistin und mehrfache Echo-Klassik-Preisträgerin wird am 13. März mit dem Telemann-Preis der Landeshauptstadt ausgezeichnet. Im Anschluss spielt sie mit dem von ihr gegründeten Ensemble 1700 zum Eröffnungskonzert im Opernhaus.

Keine Festtage ohne Erstaufführungen in heutiger Zeit, darunter ein Kantatenprojekt mit von Telemann kreierten Kirchenmusiken. Aufgeführt wird es vom Kammerchor des Univeritätschores Halle und dem Händelfestspielorchester – und reist weiter zu den Thüringer Bachwochen und dem Bachfest Leipzig. Lange spricht von diesen Kooperationen, die das Festival stärker als noch vor Jahren nach außen tragen würden. Der Auftritt des Orchesters „Tempesta di Mare“ spricht auch dafür. Erstmals gastiert ein Klangkörper aus den USA bei den Festtagen – und geht von Magdeburg aus auf eine mit dem Telemann-Zentrum organisierte Konzerttour.

Karten gibt es bei biber ticket, Tel. 0391/5999700, und den Volksstimme-Servicestellen. Das Programm unter www.telemann.org