Operette bis 21. Juli

Gespielt wird vom 22. Juni bis 21. Juli mittwochs bis sonntags immer um 16 Uhr. Ort: Die 800 Leute fassende Freilichtbühne des Bierer Berges bei Schönebeck

Solisten sind unter anderen Richard Klein (Boccaccio), Gerd Jaburek, Richard Glöckner, Alexander Klinger, Aylin Winzenburg und Astrid von Feder.

Karten gibt es im Orchesterbüro der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Telefon 03928/40 04 29 (27 Euro, 25 Euro ermäßigt).

Der Operettensommer Schönebeck startet erstmals mit "Boccaccio" in seine 23. Saison. Regisseurin Katharina Kutil inszeniert – natürlich mit eigenem Auftritt. 

Schönebeck l Die Sonne lacht an diesem Probenmorgen. Katharina Kutil steht Klärchen am Himmel in nichts nach. Sie muss die Freude an der Arbeit draußen auf dem Hügel nicht sonderlich betonten.

Man sei in diesem Jahr ein tolles Team, starke Stimmen, große schauspielerische Leistungen, sagt die Österreicherin, die erzählt, wie wichtig das sei, weil diese Operette stark in Richtung Commedia dell‘Arte gehe.

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Nur eines trübe ihre Stimmung, weil man doch so gut zusammengearbeitet habe: Gerard Oskamp, der Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, steht zum letzten Mal am Dirigentenpult. Sechs der insgesamt 23 Operettensommer hat er musikalisch geleitet. Nach „Boccacio“ hört er auf. Zur neuen Spielzeit übernimmt Jan Michael Horstmann. Abgesprochen ist aber bereits, dass Kutil auch 2020 Regie führen darf.

Oskamp leitet sein Orchester

Doch erst einmal ist alles auf die Premiere am 22. Juni fokussiert. Oskamp leitet wie gehabt sein Orchester. „Die Musik ist sehr durchkomponiert und geht mehr in Richtung einer leichten Oper“, sagt der Niederländer. „Und es ist wirklich wunderschöne Musik.“

Aber warum wird „Boccaccio“, der bekannte Dichter, der mit dem „Decamerone“ sein Meisterwerk schuf, dann nicht öfter auf die Spielpläne gesetzt? Oskamp sagt, es sei eine Riesen-Operette mit großem Personalaufwand. Und es gebe weniger Ohrwürmer und Mitsinger als in anderen bekannten Operetten. „Aber wer sie gesehen hat, wird begeistert sein“, ist sich der Chefdirigent sicher.

Er und Kutil haben die Mammut-Operette mit den Szenen aus dem Decamerone gemeinsam textlich und musikalisch reduzieren müssen. Allein der Länge halber. Auch des Personals wegen. „Wir haben dieses Mal besonders viel Hand angelegt“, sagt sie, weist aber darauf hin, dass der Zuschauer trotzdem inhaltlich wie musikalisch alles Wesentliche serviert bekäme. Dass sie den Berg als Spielort bestens kenne, habe ihr sehr geholfen. Kutil zieht es zum 15. Mal von Österreich aus auf die Anhöhe bei Schönebeck. Jahrelang war sie Regieassistentin. Zum fünften Mal führt sie schon selbst Regie.

Bühnenbildner Toto entwarf Toscana

Die Sonne lugt durch die Baumwipfel und wirft ein Licht- und Schatten-Spiel auf das Bühnenbild. Der Magdeburger Bühnenbildner Toto, von Anfang an treuer Begleiter des Operettensommers, hat die Toskana erstehen lassen. „Über der Bühne werden noch Drahtseile angebracht mit roten Vorhängen für den Hof des Herzogs“, erzählt Kutil. Sie ist wieder angetan vom Toto’schen Ideenreichtum und schwärmt zudem von den „wunderschönen Kostümen“. Sie selbst wird auch eingekleidet.

Denn Kutil ist auch wieder im Stück zu erleben. Für ihre Auftritte wird sie vom Publikum geliebt, geschätzt. Diesmal, so verrät sie, hat sie ihre Rolle extra ins Manuskript geschrieben. Sie wird Boccaccios Köchin sein und damit eine Rolle außerhalb der Beziehungsgeflechte dieser Operettenhandlung haben.

Für solche Ideen hat sie stets ein gutes Händchen bewiesen. Schreiben liegt ihr. Mit ihrem literarischen Kalender „dreihundertfünfundsechzig plus eins“ (Brighton Verlag) ist sie für den Österreichischen Buchpreis 2019 nominiert.