1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Nazi-Drama oder Musical: Favoriten beim Filmfest Venedig

Nazi-Drama oder Musical: Favoriten beim Filmfest Venedig

Die Beiträge sind in diesem Jahr höchst unterschiedlich. Kurz vor der Vergabe des Goldenen Löwen scheint das Rennen in Venedig noch offen zu sein. Vielleicht ist ja auch ein Deutscher unter den Preisträgern.

Von Aliki Nassoufis, dpa 09.09.2016, 11:42
Emma Stone kam mit dem Musical «La La Land» bei den Kritikern gut an. Foto: Ettore Ferrari
Emma Stone kam mit dem Musical «La La Land» bei den Kritikern gut an. Foto: Ettore Ferrari ANSA

Venedig (dpa) - Eine einfache Wahl wird das sicher nicht. Denn statt eines klaren Favoriten auf den Goldenen Löwen gibt es beim Filmfest Venedig in diesem Jahr gleich mehrere preiswürdige Werke.

Wen die Jury mit James Bond-Regisseur Sam Mendes und der Deutschen Nina Hoss beim ältesten Festival der Welt wohl an diesem Samstag auszeichnet? 

Ein starker Anwärter auf den Hauptpreis ist die deutsche Koproduktion Paradise: Es sind klare Schwarz-Weiß-Bilder, mit denen der Russe Andrej Kontschalowski die Gräuel der Nazi-Vernichtungslager einfängt. Sein Fokus liegt zwar auf einer Widerstandskämpferin und einem ranghohen SS-Offizier, doch mit Hilfe ihrer Sichtweisen offenbart sich auch ein größeres und beklemmendes Bild des gesamten Grauens.

Möglicherweise lässt sich die Jury auch von einem leichteren Werk überzeugen - das knallbunte Musical La La Land liegt da in der Gunst der Kritiker weit vorn. Als eine Hommage an Musicalklassiker des alten Hollywoods begeistert das charmante und nostalgisch anmutende Werk mit Emma Stone und Ryan Gosling als Liebespaar. 

Auch der Modedesigner Tom Ford überzeugt einmal mehr als Regisseur. Mit Nocturnal Animals, seinem zweiten Spielfilm, legt er einen düsteren, visuell durchkomponierten Thriller über einen Mord in der texanischen Einöde vor. Seine Hauptdarstellerin Amy Adams stellte im Wettbewerb gleich noch einen zweiten Film vor: In Arrival kreiert der Kanadier Denis Villeneuve ein philosophisches und ungewöhnlich action-freies Drama über die Ankunft von Aliens auf der Erde.

Für die Auszeichnung als beste Schauspielerin drängt sich vor allem Natalie Portman auf. In der Rolle der First Lady Jackie Kennedy erlebt sie, wie ihr Mann John F. Kennedy bei dem Attentat in Dallas neben ihr im Auto erschossen wird. Portman verausgabte sich als Frau inmitten einer Tragödie, was auf viele Zuschauer als zu einstudiert wirkte.

Deutlich stiller und nuancierter blieb die Deutsche Paula Beer in Erinnerung. Sie verkörperte in François Ozons Drama Frantz eine junge Frau, die nach dem Ersten Weltkrieg um ihren Verlobten trauert und dann einen französischen Soldaten trifft.

Bei den Männern könnte sich Oscar Martínez gegen die Konkurrenz durchsetzen. In dem argentinischen Beitrag El ciudadano ilustre gibt er einen Literaturnobelpreisträger, der nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo er nicht nur mit offenen Armen empfangen wird. Intensiv ist auch die Leistung des Chilenen Michael Silva, der in El Cristo ciego eine Art Wiedergeburt von Jesus Christus erlebt.

Was für ihn einen preiswürdigen Film ausmache, wisse er noch nicht genau, hatte Jurypräsident Sam Mendes zu Festivalbeginn erklärt. Möglicherweise ist es ja auch die Vision des Deutschen Wim Wenders, der mit Die schönen Tage von Aranjuez ein Theaterstück von Peter Handke in 3D inszeniert. Oder das drastische Kannibalendrama The Bad Batch, mit dem Regisseurin Ana Lily Amirpour der amerikanischen Gesellschaft einen Zerrspiegel vorhält. Viel unterschiedlicher könnten die Beiträge jedenfalls nicht sein.

Filmfest Venedig

Offizielles Programm

Biennale bei Twitter

Andrej Kontschalowski («Paradise»), Julia Vysotskaya, Christian Clauss und Jakob Diehl in Venedig. Foto: Ettore Ferrari
Andrej Kontschalowski («Paradise»), Julia Vysotskaya, Christian Clauss und Jakob Diehl in Venedig. Foto: Ettore Ferrari
ANSA
Mit einem düsteren Thriller hat sich Modedesigner Tom Ford beim Festival Venedig als Regisseur zurückgemeldet. Foto: Ettore Ferrari
Mit einem düsteren Thriller hat sich Modedesigner Tom Ford beim Festival Venedig als Regisseur zurückgemeldet. Foto: Ettore Ferrari
ANSA
Oscar Martínez überzeugte als Literaturnobelpreisträger in «El ciudadano ilustre». Foto: Claudio Onorati
Oscar Martínez überzeugte als Literaturnobelpreisträger in «El ciudadano ilustre». Foto: Claudio Onorati
ANSA
Natalie Portman hat gute Chancen, als beste Schauspielerin ausgezeichnet zu werden. Foto: Claudio Onorati
Natalie Portman hat gute Chancen, als beste Schauspielerin ausgezeichnet zu werden. Foto: Claudio Onorati
ANSA