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"Der Nussknacker" hatte Premiere in Magdeburg Poetisches Märchen mit Bezügen zur Gegenwart

18.10.2010, 04:17

Von Helmut Rohm

Magdeburg. Einen wunderbaren Ballettabend hat Gonzalo Galguera einmal mehr auf die Bühne des Magdeburger Opernhauses gebracht. Peter Tschaikowskys "Der Nussknacker" erlebte am Sonnabendabend eine umjubelte Premiere. Der Chefchoreograf setzte dabei jedoch nicht nur allein auf die Faszination des Klassikers.

Gonzalo Galguera be- und verzaubert mit seiner neuen Inszenierung, fesselt die ganze Familie. Was der Chefchoreograf mit wunderbaren Bildern, spannungsgeladen und mit einem großartigen Ensemble erzählt, ist ein poetisches Märchen, das aber ebenso viel Reales, Heutiges vermittelt.

Es fällt Schnee, eigentlich Faszination für Groß und Klein. Es gilt aber, schnell noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Hektik inmitten gro- ßer Einkaufstempel. Wenig Zeit für Faszination. Wenig Zeit haben die Eltern und die anderen Erwachsenen auch später beim großen Fest für Marie, ihren Bruder Fritz und die anderen Kinder. Die Erwachsenen widmen sich ihrer Unterhaltung, ihrem Spaß und dem Essen. Dennoch Szenenbeifall für die charakteristisch getanzte Beschreibung in einer stimmigen Symbiose klassischer Elemente und moderner Sequenzen.

Eine strenge Erzieherin, im Traum später die gute Zuckerfee (Veronika Zemlyakova), ist für die Kinder da. Erfrischend für das Publikum sind deren freudvolle Tanzvorführungen. Wieder offener Beifall.

Das Spielzeug wird zum Prinzen

Dennoch fühlt sich Marie sehr einsam. Emma Hanley Jones tanzt sie eindrucksvoll in all ihren Stimmungslagen mit einfühlsamer Bewegung, detailreicher Mimik. Maries Sicht stellt Gonzalo Galguera in den Mittelpunkt des Balletts.

Erst als Marie, dank Onkel Drosselmeier (Andreas Loos), einen kleinen Nussknacker geschenkt bekommt, fühlt sie sich in einer eigenen Welt geborgen. Glücklich schläft sie ein.

Die zauberhafte klang- und bildreiche mit verschiedenen Tanzrhythmen versehene Musik Tschaikowskys, engagiert und beherzt vom Orchester unter Michael Lloyd gespielt, begleitet Marie auch in deren Traum-Märchen-Erlebnisse.

Ihr Nussknacker (Jake Burden) ist lebensgroß. Er führt eine Spielzeugsoldatenarmee gegen die böse Macht des Mäusekönigs. Da ist eine tolle, effektvolle getanzte Aktion in wunderschönen Kostümen (Bühne/Kostüme Jérome Kaplan) bei mitreißender Musik auf der Bühne. Stimmig auch der Auftritt des Kinderchores beim Schneeflockenwalzer.

Die Guten siegen. Der Nussknacker wird zu einem Prinzen. Und wie im Märchen schweben zu einfühlsamen Harfenklängen Marie und ihr Prinz zum Königsschloss. Die staunende Marie freut sich und erlebt gemeinsam mit den Premierengästen ein ganz tolles Tanzfest. Das Ballettensemble zeigt sich von seiner allerbesten Seite, ob bei den Tänzen verschiedener Völker, den Soli oder Pas de deux – Ballettvielfalt vom Feinsten. Das Fest ist aus. Drosselmeier bringt Marie nach Hause auf die Couch. Sie erwacht - und ist allein. Langen Beifall, stehende Ovationen und Jubelrufe gab es für alle Akteure.