Magdeburg l Bis zuletzt hatte es coronabedingt auf der Kippe gestanden, nun haben die Proben für das Hofspektakel des Magdeburger Puppentheaters begonnen. Und das verspricht einiges an prickelnden Momenten. Denn auf dem Programm steht in diesem Jahr „Ein Spätsommernachtstraum“ – in Anlehnung an die berühmte Komödie, die zu den meistgespielten Stücken überhaupt gehört. Es erzählt von Liebe und Begehren. Um dem Stück eine neue Perspektive zu geben, werden die Charaktere allerdings nicht 18, wie im Original, sondern 80 Jahre alt sein. Für Regisseur Moritz Sostmann eine interessante Herangehensweise. Schließlich leben wir in einer immer älter werdenden Gesellschaft und „man hört ja nicht auf, Wünsche zu haben“, ist Sostmann überzeugt. Werden die Worte des Shakespeare-Werkes von Senioren gesprochen, erhalten sie ein ganz anderes Gewicht, sagt er. Allerlei erotische Verwicklungen inklusive.

Sostmann, der seit 2013/14 Hausregisseur am Kölner Stadttheater ist, kehrt für die Inszenierung in bekannte Gefilde zurück. Von 2011 bis 2017 inszenierte er bereits mehrere Stücke am Puppentheater, darunter auch Shakespeare-Werke, und war zwischenzeitlich auch Hausregisseur der Magdeburger Einrichtung. „Der Hof des Puppentheaters hat vor allem in den Abendstunden eine besondere Atmosphäre, die immer auch ein wenig erotisch aufgeladen ist“, beschreibt Sostmann. Diese Atmosphäre passe perfekt zum Sommernachtstraum.

Eine weitere Dramatik habe die Aufbereitung des Stückes durch das Coronavirus erfahren. Zwar sei die Entscheidung für das Stück bereits lange vor der Pandemie getroffen worden. Aber da die handelnden Figuren zur Risikogruppe zählen, ergibt sich ein weiterer Nebenaspekt: der des ungewollten Abstand-halten-Müssens.

Mit seinen 50 Jahren ist Sostmann selbst noch nicht Teil der Risikogruppe. Dennoch gesteht er: „Mit 30 habe ich anders gelebt. Man wird älter und merkt, dass sich der Körper verändert.“ Heute lebe er in einer festen Partnerschaft, und die Intervalle, in denen er sich verliebe, seien länger geworden. „Manches bekommt man heute vielleicht nicht mehr, anderes ist einem vielleicht zu anstrengend“, erzählt er von seinen eigenen Empfindungen. Die Wünsche aber ließen trotzdem nicht nach. Als Regisseur wird er seine Lebenserfahrung auch in den Sommernachtstraum einfließen lassen.

Das Stück richtet sich aber bei Weitem nicht nur an die ältere Generation. „Wir erzählen nichts Geriatrisches, sondern etwas über Liebe.“ Sostmann glaubt, dass junge Leute durchaus Spaß daran haben werden, eine andere Generation zu beobachten, der es genau so geht, wie ihnen selbst.

Das Markenzeichen des studierten Puppenspielers mit Bühnen- und TV-Erfahrung ist, Schauspiel mit Puppenspiel zu verbinden, immer unter der Frage der Konkurrenz von Mensch und Puppe, von Natürlichkeit und Künstlichkeit, von Realität und Projektion.

Die Figuren, mit denen die Puppenspieler Linda Mattern, Anna Wiesemeier, Freda Winter, Richard Barborka, Florian Kräuter, Lennart Morgenstern und Leonhard Schubert das Stück auf die Bühne bringen, stammen aus der Hand von Puppenbauer Hagen Tilp, der inzwischen in den USA lebt.Sostmann arbeitet schon lange mit ihm zusammen und schätzt die lebensnahe Gestaltung der Puppen.

Die Aufführung ist aber auch ein Experiment, wie ein Sommertheater unter Corona-Bedingungen stattfinden kann. Die Puppenspieler werden, wo notwendig, mit Mund-Nasen-Schutz agieren. Dieser werde ins jeweilige Kostüm einbezogen, kündigt Sostmann an. Die Kostüme fertigt Kathrin Hauer. Für die Bühnenausstattung sorgt Sven Nahrstedt. Im Zuschauerraum gibt es Veränderungen: Anstelle dicht gestellter Stühle an kleinen Tischen, nimmt das coronabedingt stark reduzierte Publikum in Lounge-Mobiliar aus Paletten Platz. „Mit den Lounge-Möbeln in ausreichend Abstand soll Exklusivität vermittelt werden und eine angenehmere Stimmung herrschen“, sagt Sostmann.

Für den Regisseur ist der Sommernachtstraum eine Geschichte, bei der am Ende niemand so richtig weiß, ob er sie wirklich erlebt oder geträumt hat, vielleicht nach einem Glas Wein an einem lauen Abend. Jene Stimmung möchte er auch dem Publikum vermitteln.

Premiere ist am 20. Juni. Für die Aufführungen am Dienstag und Mittwoch, 7. und 8. Juli, sind noch Restkarten erhältlich.