Magdeburg l Es gehört wohl den Dingen, die Eltern am schwersten fallen: mit den eigenen Kindern über den Tod zu sprechen, über die Endlichkeit des Lebens. Dankbar wird deshalb auf kindgerechte Literatur zurückgegriffen, die das Thema möglichst sensibel behandelt. Theaterautor Martin Baltscheit hat seinen Bühnenerfolg „Nur ein Tag“ von 2007 als Kinderbuch herausgebracht und im vergangenen Jahr in Starbesetzung verfilmt; letzteres brachte ihm den Preis der deutschen Filmkritik für den besten Kinderfilm ein.

Fuchs und Wildschwein genießen ihren Urlaub mit allem, was dazugehört: Chillen am Pool, Cocktails am Strand, coole Musik. Plötzlich entdeckt der Fuchs in seinem Getränk eine Fliegenlarve. Gespannt beobachten die beiden Freunde, wie die Eintagsfliege schlüpft. Schnell wird das kleine Geschöpf bedauert, weil sein Leben am selben Tag enden wird. Das aber bringt keiner der beiden übers Herz, der Fliege zu sagen. Eine Notlüge muss her: Der Fuchs sei es, der nur einen einzigen Tag zu leben habe. Die lebenslustige Fliege hat nun ihrerseits Mitleid und will dem Fuchs die besten 24 Stunden bieten, die nur möglich sind.

Regisseur Nis Søgaard kombiniert für seine Inszenierung des Stücks Schauspiel, Figurentheater und Live-Hörspiel mit viel Musik und choreografischen Einlagen. Mit Linda Mattern, die einst als Freiwillige am Puppentheater begann und jetzt zu den Puppenspiel-Absolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ gehört, sowie Leonhard Schubert und Florian Kräuter hat er eine ideale Besetzung gefunden.

Florian Kräuter in der Rolle der Eintagsfliege gibt den Conférencier und Spielmeister, erweckt die winzige Fliege, die zunächst nur auf Fingerkuppen und Nasen der Mitspieler existent ist, durch Geräusche zum Leben. Später verkörpert er im Silberdress die erwachsene Fliege und berührt mit seinem differenzierten Spiel. Linda Mattern als gutmütiges, etwas naives Wildschwein im dicken Schwimmring und Leonhard Schubert als liebenswürdiger Fuchs im roten Trainingsdress und Vokuhila-Frisur steigen auf das Spiel der Fliege ein, schließlich ist das Leben zu kurz zum Streiten.

Und hier wird das Manko der Textvorlage deutlich: Was zu einem glücklichen Leben gehört, ist doch sehr von der Sicht Erwachsener geprägt: Schule, einen Beruf haben, Heiraten, Kinderkriegen, gemeinsam alt werden. All das wird im Schnelldurchlauf, sehr zur Freude des Publikums revueartig durchgespielt. Doch nur selten blitzt das auf, was Kinder sowieso ohne nachzudenken tun und wovon eher deren Eltern noch lernen können: den Augenblick leben, ohne an das Morgen zu denken.

Den Nerv des Publikums dürfte das Stück dennoch treffen, enthält es doch eine Botschaft, die von der Regie und dem Spielteam auf äußerst unterhaltsame Weise vermittelt wird: Lebe jeden Tag so, als sei es dein letzter!