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Scharfsinniges Sozialdrama: El Club

Mehrere Priester leben in einem abgeschiedenen Dorf. Sie alle sind schuldig, etwa des Kindesmissbrauchs. Die Kirchenoberen bestrafen sie mit dem Leben in Isolation. Aber sie stellen sich nicht der Justiz. Davon erzählt der Film El Club aus Chile überaus eindringlich.

Von Peter Claus, dpa 31.10.2015, 16:28

Berlin (dpa) - Das Thema Kindesmissbrauch hat in den vergangenen Jahren weltweit traurige Schlagzeilen gemacht. Der auf der Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete chilenische Spielfilm El Club setzt sich damit auf höchst spannende und subtile Weise auseinander.

El Club erzählt die dramatische Geschichte von Priestern, die schuldig geworden sind, sich aber den staatlichen Gerichten nicht stellen müssen. Der Film beginnt wie ein surrealer Krimi: Vier ältere Priester, betreut von einer strengen Schwester, leben in scheinbar wohl geordneter Gemeinschaft. Ein fünfter stößt zu ihnen. Er wird von einem jüngeren Mann, der auf der Straße herumlungert, mit Schmährufen verfolgt. Dann fällt ein Schuss. Es gibt eine Leiche. Und damit legen sich die Schatten der Vergangenheit über die tatsächlich nur scheinbar friedliche Gemeinschaft.

Sehr schnell stellt sich heraus, dass all die auf den ersten Blick brav und bieder anmutenden Männer Gottes und auch die angeblich überaus fromme Schwester schwere Schuld auf sich geladen haben. Der sie sich nicht stellen müssen. Denn die obersten Kleriker stehen auf dem Standpunkt, dass die weltliche Gerichtsbarkeit für die Männer und Frauen der Kirche nicht zuständig ist.

Der zu Teilen auf Tatsachen basierende Film beutet sein Thema nicht sensationslüstern aus. Grelle Effekte kommen keine vor. Regisseur Pablo Larraín und seine drei Drehbuchautoren konzentrieren sich auf die differenzierte Zeichnung der Figuren. Dabei vermeiden sie jegliche Verunglimpfung des Glaubens an sich. Was sie mit großer Spannung zur Diskussion stellen, ist die Frage, ob sich die Kirche als Institution soweit von der Gesellschaft abkapseln darf, dass sie sogar die juristische Aufarbeitung von Verbrechen verhindert.

Neben dem exzellenten Spiel sämtlicher Darsteller bezieht der packende Film seinen Reiz in hohem Maße aus der klugen Inszenierung. Regisseur Larraín, dessen antifaschistisches Historiendrama ¡NO! 2012 auch sehr erfolgreich in Deutschland lief, gelingt eine wirkungsvolle Montage aus Krimi, Groteske und Polit-Parabel. Es darf sogar gelacht werden. Doch das Lachen bleibt einem angesichts des Themas der virtuos erzählten Geschichte meist im Halse stecken.

El Club